Hybrid-Deal mit China: Brüssel jubelt, Peking schweigt sich aus
Nach zwei Tagen Verhandlungen in Peking gibt es im Hybrid-Streit plötzlich eine Einigung. Auffällig ist, wie unterschiedlich beide Seiten darüber reden.
Im Zollstreit um Chinas Hybridautos gibt es eine Wende, mit der so schnell kaum jemand gerechnet hat: Die EU und China haben sich in Peking im Grundsatz darauf verständigt, die chinesischen Hybrid-Exporte nach Europa zu begrenzen. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič verkündete die Einigung am Freitag nach zwei Tagen Verhandlungen. Und nannte dabei eine Zahl, die es in sich hat.
Die Hälfte weniger? Was Brüssel verspricht
Laut Šefčovič umfasst die Verständigung eine Halbierung der chinesischen Ausfuhren von Hybriden und Plug-in-Hybriden in die EU. Die Nachrichtenagentur Reuters beziffert den Effekt auf mehrere Millionen Fahrzeuge über vier Jahre. Der Kommissar sprach von einem „ersten Schritt“ hin zu einer ausgewogeneren Handelsbeziehung. Wie die Begrenzung konkret umgesetzt werden soll, ließ er allerdings offen: kein Wort zu Basiswerten, zu Quoten oder zu einem Zeitplan.
Peking bestätigt nur das Nötigste
Auffällig ist, wie unterschiedlich beide Seiten die Einigung verkaufen. Das chinesische Handelsministerium bestätigte lediglich, man habe „im Einklang mit den WTO-Regeln“ eine Verständigung über den Hybrid-Handel erzielt. Zahlen? Fehlanzeige. Das hat einen Grund: Noch Mitte September hatte Peking freiwillige Exportbeschränkungen als schweren Verstoß gegen WTO-Regeln bezeichnet, wie „CnEVPost“ in Erinnerung ruft. Dass China nun trotzdem mitzieht, zeigt, wie viel beiden Seiten an einer Entspannung liegt.
Die Hybrid-Frage ist Teil eines größeren Pakets, auf das sich Handelsminister Wang Wentao und Šefčovič beim zweiten Treffen des gemeinsamen Konsultationsmechanismus geeinigt haben:
- Exportlizenzen für Seltene Erden und Permanentmagnete sollen für EU-Abnehmer über einen „grünen Kanal“ beschleunigt werden.
- Die Gespräche über Preisverpflichtungen im E-Auto-Zollstreit gehen weiter.
- Beide Seiten prüfen, ob sich Zölle auf bestimmte Waren im Rahmen der WTO-Regeln senken lassen.
Warum ausgerechnet Hybride?
Zur Vorgeschichte: Seit Ende 2024 erhebt die EU Zusatzzölle von bis zu 45,3 Prozent auf reine Elektroautos aus China. Hybride und Plug-in-Hybride blieben außen vor und zahlen nur den üblichen Importzoll von 10 Prozent. Die Folge war absehbar: Chinas Hersteller sattelten um. Laut Zahlen der „Financial Times“ stiegen die monatlichen Hybrid-Importe von rund 3.800 Stück im Oktober 2024 auf etwa 50.000 im Juli 2026. Erst am Mittwoch hatten wir berichtet, dass Brüssel deshalb an Importquoten arbeitet. Die Verständigung kommt dem nun zuvor. Gut möglich, dass genau diese Drohkulisse den Ausschlag gab.
Was heißt das für dich?
Für Deutschland und Österreich ist die Sache direkt relevant: Plug-in-Hybride wie der BYD Seal U DM-i oder der MG HS gehören hier zu den Volumenmodellen der Chinesen. Wird der Nachschub knapper, dürfte der Rabattdruck nachlassen. Im Zweifel bedeutet das stabilere oder steigende Preise und längere Wartezeiten. Zugleich dürften die Hersteller noch stärker auf ihre vollelektrischen Modelle setzen, die von der Verständigung nicht erfasst sind. Wie stark Chinas Marken bei uns gerade wachsen, zeigen die jüngsten Zulassungszahlen. Die Schweiz bleibt als Nicht-EU-Land außen vor: Dort gelten weder die E-Auto-Zölle noch die neue Hybrid-Begrenzung.
Viele Fragen sind weiter offen: ab welchem Basiswert halbiert wird, ob Verstöße Konsequenzen haben und wann die Begrenzung greift. Dazu schweigen beide Seiten bislang. Im Januar steht die nächste Gesprächsrunde an, im März 2027 folgt das dritte reguläre Treffen des Konsultationsmechanismus. Wir bleiben dran.
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Verwendete Quellen
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