Chinas Marken stellen in Europa einen Rekord auf, der Brüssel alarmiert
Neue Dataforce-Zahlen zeigen, wie stark Chinas Marken in Europa wirklich geworden sind. Und warum ausgerechnet Hybride ihr Türöffner sind.
Chinas Autobauer haben im August in Europa einen neuen Bestwert erreicht: Nach Zahlen des Marktforschers Dataforce entfielen fast zwölf Prozent aller Neuzulassungen auf Marken aus China. Der Gesamtmarkt wuchs um 4,6 Prozent, die Nachfrage nach elektrifizierten Autos legte um 27 Prozent zu. Und genau hier liegt der Hund begraben: Das Wachstum der Chinesen speist sich längst nicht mehr nur aus reinen Stromern.
Wie steil die Kurve ist, zeigt der längere Blick zurück: Zwischen Januar und Juli kamen die Chinesen laut „Handelsblatt“ EU-weit auf 8,7 Prozent Marktanteil. 2021 waren es noch 0,6 Prozent.
Hybride als Türöffner
Laut „Bloomberg“, das sich auf die Dataforce-Auswertung stützt, ging im August jeder vierte in Europa verkaufte Hybrid auf das Konto einer chinesischen Marke, bei den Plug-in-Hybriden war es sogar jeder dritte. Der Grund ist simpel: Die EU-Sonderzölle, die seit Oktober 2024 auf batterieelektrische Autos aus China fällig werden, gelten für Hybride nicht. Für sie bleibt es beim Basiszoll von zehn Prozent. Die Folge: Laut „Automotive World“ haben sich die Hybrid-Importe aus China seit Oktober 2024 mehr als verzehnfacht. Getragen wird der Boom von Marken wie BYD und Chery, deren Marke Jaecoo derzeit vor allem in Großbritannien reüssiert.
Deutschland rückt ins Zentrum
Für den deutschsprachigen Raum ist die Meldung mehr als eine Fußnote: In Deutschland kamen die China-Marken im August auf 6,4 Prozent Marktanteil. Klingt erst mal überschaubar? „Auch wenn ihr Marktanteil im Vergleich zu anderen Märkten noch niedrig ist, macht allein die schiere Größe des deutschen Marktes diesen Schritt sehr attraktiv“, sagt Dataforce-Analyst Julian Litzinger gegenüber „Bloomberg“. Wie schnell es gehen kann, zeigt Großbritannien: Dort, wo keine EU-Sonderzölle gelten, stammt bereits mehr als jeder fünfte Neuwagen von einer chinesischen Marke. Und auch in Österreich legen einzelne China-Marken gerade rasant zu, wie zuletzt die Zulassungszahlen von Leapmotor gezeigt haben.
Brüssel wird nervös
Die Politik reagiert bereits. Wie die „Financial Times“ vergangene Woche berichtete, hat die EU-Kommission Peking aufgefordert, die Hybrid-Exporte nach Europa freiwillig auf 15 Prozent des Marktes zu begrenzen. In Berlin wird laut „Bloomberg“ zudem an einem Maßnahmenpaket gearbeitet, das die Importflut bremsen soll. Ob solche Manöver die Aufholjagd stoppen, darf man bezweifeln: Wer einmal ein Händlernetz aufgebaut hat, geht nicht so schnell wieder.
Für Käufer in Deutschland und Österreich ist die Entwicklung zunächst eine gute Nachricht: mehr Auswahl, mehr Preisdruck, mehr Technik fürs Geld. Für VW, Mercedes und BMW dagegen wird die Luft dünner, und zwar nicht mehr nur im fernen China, sondern direkt vor der Haustür. Die Chinesen kommen nicht mehr, sie sind längst da: mit eigenen Händlernetzen, ersten Werksplänen in Europa und einer Modelloffensive, die gerade erst begonnen hat.
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Verwendete Quellen
- Bloomberg: Chinese Car Brands Hit Record European Share on Hybrid Demand (Englisch)
- Automotive World: Chinese OEMs record 12% EU share on hybrids, tariff (Englisch)
- Handelsblatt: Chinesen übertrumpfen erste europäische Marken in Deutschland
- just-auto: EU presses China to cap hybrid car exports amid trade tension (Englisch)
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