Werke gesucht: Chinas Autobauer gehen in Europa auf Einkaufstour
BYD, Chery, Leapmotor und weitere Chinamarken suchen laut Reuters intensiv nach Fabriken in Europa. Der Treiber: geplante EU-Vorgaben für lokale Fertigung, die schon 2027 kommen könnten. BYDs Europa-Berater Altavilla will lieber schnell kaufen statt neu bauen.
Wer in den kommenden Jahren in Europa Autos verkaufen will, baut sie am besten auch hier. Nach diesem Motto durchkämmen Chinas Autobauer derzeit den Kontinent auf der Suche nach Fabriken. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Alfredo Altavilla, den Europa-Berater von BYD. Sein schönstes Zitat: „Auf den Flughäfen laufen wir uns alle über den Weg.“ Die Konkurrenz sucht also längst mit.
Warum die Eile?
Hintergrund sind die geplanten „Made in Europe“-Regeln der EU: Mindestquoten für lokale Wertschöpfung bei Autos, die in der Union verkauft werden. Die Vorgaben werden noch ausgearbeitet, könnten laut Reuters aber bereits 2027 in Kraft treten. Wer dann keine Fertigung in Europa vorweisen kann, bekommt ein Problem. Altavilla formuliert es kaufmännisch nüchtern: Man müsse jetzt etwas kaufen und mit überschaubarem Geld schnell wieder flottmachen, statt jahrelang auf der grünen Wiese zu bauen. Er selbst sei ständig unterwegs, um Fabriken in ganz Europa zu besichtigen.
Die Landkarte der China-Fertigung in Europa füllt sich derweil bereits:
- BYD hat die Produktion in seinem ersten Europa-Werk in Ungarn angefahren und will bis Jahresende einen zweiten Standort festzurren. Langfristig plant der Konzern laut Altavilla drei Fahrzeugwerke plus eine Batteriefabrik.
- Leapmotor nutzt Produktionslinien von Stellantis in Spanien, Dongfeng solche in Frankreich.
- Chery hat mit einem lokalen Partner ein ehemaliges Nissan-Werk in Spanien übernommen.
- Geely kooperiert laut Reuters mit Ford in Spanien.
Spanien und Frankreich vorn, Italien nur Plan B
Für BYDs nächsten Standort nennt Altavilla Spanien und Frankreich als aussichtsreichste Kandidaten, dort seien die Rahmenbedingungen deutlich einfacher. Italien bleibt Plan B, denn Stellantis will seine dortigen Werke schlicht nicht abgeben. „Ich kann nichts kaufen, was nicht zum Verkauf steht“, sagt der BYD-Berater dazu.
Und der DACH-Raum?
Deutschland taucht in Altavillas Überlegungen nicht auf, was angesichts der hiesigen Kostenstruktur wenig überrascht. Österreich spielt dafür an anderer Stelle mit: Xpeng lässt sein neues Flaggschiff-SUV G9L beim Auftragsfertiger Magna in Graz bauen. Auch das ist eine Antwort auf die kommenden EU-Regeln, nur eben ohne eigenen Fabrikkauf.
Wie viel für die Chinesen auf dem Spiel steht, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Im zweiten Quartal erreichten chinesische Marken in Westeuropa laut dem Marktbeobachter Schmidt Automotive Research einen Rekordanteil von 10,7 Prozent, fast doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Genau dieses Wachstum will Brüssel künftig an Bedingungen knüpfen. Die Einkaufstour dürfte also weitergehen.