Xi hofiert Österreich: Das steckt hinter dem E-Auto-Angebot
Chinas Staatschef empfängt Kanzler Stocker mit allen Ehren und macht Wien ein Angebot bei E-Autos und KI. Dahinter steckt mehr als Höflichkeit.
Militärische Ehren vor der Großen Halle des Volkes, warme Worte im Gespräch: Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat Bundeskanzler Christian Stocker am Freitag in Peking empfangen und Österreich dabei eine engere Zusammenarbeit bei Elektroautos und künstlicher Intelligenz angeboten. China sei zu einer ausgebauten Kooperation bereit, zitiert die Nachrichtenagentur „Reuters“ aus chinesischen Staatsmedien.
Stocker ist seit Anfang der Woche auf Arbeitsbesuch in China, es ist die erste Visite eines österreichischen Regierungschefs seit sieben Jahren. Erste Station war die Importmesse CIIE in Shanghai, am Freitag folgte Peking mit dem Empfang durch Premier Li Qiang und dem Gespräch mit Xi. Mit an Bord: Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und rund 50 Unternehmensvertreter, darunter die Autozulieferer AVL List und Magna sowie die voestalpine.
Charme mit Kalkül
Xis Botschaft hatte es in sich: Ein wachsendes China sei nicht die Ursache der Probleme Europas, sondern ein Partner, der bei deren Bewältigung helfen könne. Handelsspannungen mit der EU sollten durch Dialog gelöst werden. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Zwischen Brüssel und Peking wird gerade hart um Zölle und Hybrid-Kontingente gerungen, da kommt ein freundlich gesinntes EU-Land als Gesprächskanal gelegen.
Wien wiederum plagt ein gewaltiges Ungleichgewicht: Importen aus China von 17,5 Milliarden Euro im Jahr 2025 stehen Exporte von rund fünf Milliarden gegenüber. Stocker gab sich betont pragmatisch: „Ich bin nicht nach China gekommen, um hier jemanden zu belehren“, sagte er laut „ORF“ nach dem Treffen. Unterzeichnet wurden mehrere Absichtserklärungen, etwa zu schnelleren Behördenverfahren für österreichische Firmen. Beim heiklen Thema kritische Rohstoffe bot Stocker die Expertise der Montanuniversität Leoben an.
Was heißt das für unseren Markt?
Österreich ist für Chinas Autobauer längst mehr als ein Nebenschauplatz. BYD hat sich nach Daten der Statistik Austria in den ersten neun Monaten mit 8.851 Neuzulassungen und einem Plus von 68 Prozent unter die zehn stärksten Marken des Landes geschoben, noch vor Toyota. Auch in Deutschland eilen die China-Marken von Rekord zu Rekord. Eine politisch flankierte E-Auto-Kooperation könnte diese Entwicklung zusätzlich befeuern.
Und die Industrie? Zulieferer wie AVL und Magna hoffen auf Aufträge aus China, laut „ORF“ führte ein österreichisches Datenunternehmen am Rande der Reise bereits erfolgreiche Gespräche mit chinesischen Autoherstellern. Konkretes zum E-Auto-Angebot blieb allerdings offen: keine Projekte, keine Zahlen, keine Zusagen. Ob aus der Charmeoffensive mehr wird als schöne Diplomatie, entscheidet sich an handfesten Fragen wie Zöllen, Kontingenten und Investitionen. Für E-Auto-Käufer zwischen Wien und Bregenz ändert sich vorerst nichts. Mittelfristig gilt aber: Je enger der Draht nach Peking, desto größer die Modellauswahl und desto härter der Preiskampf.
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Verwendete Quellen
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