Zölle auf China-Stromer: Großbritannien plant offenbar die Wende
Das letzte große Schlupfloch für Chinas E-Autos in Europa könnte sich schließen. Und das hätte Folgen bis nach Deutschland und Österreich.
Wochenlang klang es nur wie ein Verdacht, jetzt nimmt es Formen an: Großbritannien bereitet laut der „Times“ ein Paket möglicher Zölle auf Elektroautos aus China vor. Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds lasse die Pläne derzeit ausarbeiten, berichtet die Zeitung. Der Vorwurf dahinter ist derselbe, der schon Brüssel umtrieb: Peking flute den Markt mit staatlich subventionierten Autos zu Dumpingpreisen.
Die Insel war das letzte große Schlupfloch
Bislang fuhr Großbritannien einen Sonderweg. Während die EU seit Ende Oktober 2024 Zusatzzölle zwischen 7,8 und 35,3 Prozent auf chinesische E-Autos erhebt, zusätzlich zu den regulären 10 Prozent Einfuhrzoll, blieb der britische Markt komplett offen. Die Folgen sind messbar: Laut „electrive“ kommen chinesische Marken auf der Insel inzwischen auf rund 16 Prozent Marktanteil bei den Neuzulassungen, über alle Antriebsarten gerechnet.
Dem „Times“-Bericht zufolge sind die britischen Minister nun bereit, den EU-Spitzensatz von insgesamt bis zu 45 Prozent zu spiegeln. Offiziell bestätigt ist das nicht: Ein Regierungssprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters lediglich, man stehe weiter in engem Austausch mit der Industrie. Verhängt sei bislang gar nichts.
Brüssel bekommt offenbar, was es wollte
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Schon im September hatte die „Financial Times“ berichtet, die EU dränge London zu höheren China-Zöllen. Andernfalls drohe die britische Autoindustrie unter die geplanten „Made in Europe“-Regeln zu fallen und ihren privilegierten Zugang zum EU-Markt zu verlieren. Wir haben die Hintergründe dieses Tauziehens bereits aufgedröselt. Genau diesen Schaden will die Regierung nun offenbar abwenden: London möchte als vertrauenswürdiger Partner gelten und seine Zulieferer in den europäischen Lieferketten halten.
Was das für Deutschland und Österreich heißt
Schließt die britische Hintertür, verlieren Chinas Hersteller ihren wichtigsten zollfreien Großmarkt in Europa. Am härtesten träfe das MG: Die SAIC-Tochter zahlt in der EU den Spitzensatz, und kein europäischer Markt ist für sie wichtiger als der britische. Für Deutschland und Österreich dürfte der Effekt in zwei Richtungen gehen. Erstens steigt der Druck auf die Hersteller, noch schneller eigene Werke in Europa hochzuziehen, wie es BYD in Ungarn und der Türkei bereits vormacht. Zweitens dürften die Volumenziele stärker auf die EU-Märkte verlagert werden, was tendenziell für scharfe Preise bei uns spricht. Dass die Chinesen ihre Europa-Expansion trotz Zöllen nicht bremsen, haben zuletzt die Rekordzulassungen im August gezeigt. Die Schweiz bleibt übrigens der Sonderfall im deutschsprachigen Raum: Sie erhebt bis heute überhaupt keine Zusatzzölle auf E-Autos aus China.
Noch ist das alles ein Medienbericht und kein Gesetz. Aber die Richtung ist klar: Das Zeitfenster, in dem chinesische Hersteller Europa über die britische Insel an allen Zusatzzöllen vorbei beliefern konnten, dürfte sich schließen. Wie schnell, das entscheidet sich in den kommenden Wochen.
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Verwendete Quellen
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