Omoda & Jaecoo erreichen einen Meilenstein und nehmen das Tempo raus

Omoda & Jaecoo melden einen Meilenstein im deutschen Händlernetz und treten beim Ausbau zugleich bewusst auf die Bremse. Die Hintergründe.

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Zwei Jaecoo-SUV im Ausstellungsraum eines deutschen Autohändlers
Jaecoo-Modelle im Showroom eines deutschen Handelspartners | Bild: Omoda & Jaecoo Deutschland

Seit dem Start Anfang 2026 hat die Chery-Doppelmarke Omoda & Jaecoo in Deutschland Händler in bemerkenswertem Tempo unter Vertrag genommen. Jetzt meldet sie ihren 50. Handelspartner, und im gleichen Atemzug eine Kurskorrektur: Das Tempo soll raus aus dem Netzausbau.

Der Jubiläumspartner heißt Auto Geissel Vertriebs GmbH. Allein im Juli kamen 15 neue Betriebe dazu, ein Rekordmonat in der noch jungen Geschichte der Marke hierzulande. Damit sind nach Angaben des Herstellers fast alle wichtigen Metropolregionen abgedeckt, darunter München, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, Leipzig, Köln und Stuttgart. Nur in der Hauptstadt klafft weiter eine Lücke: In Berlin sucht die Marke noch einen passenden Partner.

Warum jetzt der Fuß vom Gas geht

Bemerkenswert ist, was die Chinesen zum Jubiläum gleich mitliefern: eine Neuausrichtung. Stand bisher die zügige Flächenabdeckung im Vordergrund, sollen künftig Qualität und wirtschaftliche Stärke der einzelnen Handelspartner den Ausschlag geben, egal ob große Handelsgruppe oder inhabergeführter Familienbetrieb. „Statt auf Tempo setzen wir künftig auf Substanz“, sagt Vertriebschef Michael Mandery. Als Vorbild nennt er die Netze in Großbritannien und Spanien, die für Profitabilität und Händlerzufriedenheit ausgezeichnet worden seien.

Die Ansage hat es in sich, denn noch im Mai klangen die Pläne deutlich forscher: 100 Händler bis Jahresende, 8.000 verkaufte Autos im ersten Jahr, langfristig bis zu 240 Standorte. Davon ist so konkret keine Rede mehr. Eine feste Zielmarke bei Händlerzahl und Absatz zum Jahresende trete in den Hintergrund, heißt es in der Mitteilung. Übersetzt: Die 100 bis Silvester dürften vom Tisch sein.

Service als Trumpfkarte

Punkten wollen Omoda & Jaecoo vor allem mit dem, was chinesischen Newcomern gern abgesprochen wird: Service. Ein Zentrallager in Rheinland-Pfalz und der Logistikpartner Kuehne+Nagel sollen eine Teileverfügbarkeit von 99 Prozent sichern, Ersatzteile treffen laut Hersteller in der Regel binnen 24 Stunden beim Händler ein. Dazu kommen sieben Jahre Herstellergarantie und Pannenhilfe rund um die Uhr. Im Schaufenster stehen derzeit vor allem Voll- und Plug-in-Hybride wie der Jaecoo 7 PHEV und der Omoda 9 PHEV; die Palette reicht laut Hersteller aber bis zum vollelektrischen SUV.

Was heißt das für Österreich und die Schweiz?

In Österreich sind die beiden Marken schon länger unterwegs: Seit November 2025 vertreibt der Importeur Colmobil sie dort, gestartet wurde mit neun Händlern an 17 Standorten. Die Schweiz folgt als nächstes: Im vierten Quartal 2026 will Grand Automotive mit der eigens gegründeten Omoda & Jaecoo Schweiz AG in Zug den Verkauf aufnehmen. Der DACH-Raum ist damit bald komplett besetzt.

Interessant ist der Kontrast zur Konkurrenz: Leapmotor hat sich den mühsamen Netzaufbau gespart und über die bestehenden Stellantis-Händler in nur zwei Jahren mehr als 1.000 Standorte in Europa hochgezogen. Chery geht mit Omoda & Jaecoo den umgekehrten, teureren Weg: jeder Standort neu, jede Werkstatt neu. Dass die Marke nun lieber auf stabile Partner als auf schnelle Flächenabdeckung setzt, ist deshalb weniger ein Alarmsignal als eine Lernkurve. Ein Händler, der nach zwei Jahren aufgeben muss, hilft weder Kunden noch Marke. Die kurze Antwort auf die Frage, ob der Deutschland-Ausbau stockt: nein, er wird nur leiser geplant.

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