Geely macht in Deutschland Ernst: So forsch ist der Plan
Kaum ist der Schweiz-Start gefeiert, legt Geely in Deutschland nach: Deutschland-Chef Philipp Hempel verrät, wie schnell das Händlernetz wachsen soll und wo die Marke in wenigen Jahren stehen will. Die Konkurrenz dürfte genau hinschauen.
Gerade erst hat Geely mit dem Marktstart in der Schweiz den deutschsprachigen Raum komplettiert, da legt der Konzern für seinen wichtigsten Markt nach: Deutschland-Chef Philipp Hempel hat im Gespräch mit der „Automobilwoche“ verraten, wohin die Reise gehen soll. Tiefstapeln klingt anders.
Hempel will Geely innerhalb von drei bis fünf Jahren zum größten chinesischen Importeur in Deutschland machen. Die Ansage hat Gewicht, denn der Mann kennt das Geschäft: Zuvor verantwortete er den Vertrieb bei MG und führte die Marke dort an die Spitze der China-Importeure. Der Abstand ist allerdings noch gewaltig: Bis Ende August kam Geely laut „Automobilwoche“ auf 1.260 Neuzulassungen. Im Vergleich zum Marktführer BYD mit 36.800 Neuzulassungen ist das noch ziemlich mager.
Das Händlernetz wächst im Wochentakt
Aufholen soll vor allem das Netz. Die Zahlen, die Hempel nennt, haben Tempo:
- aktuell 46 Standorte, bis Ende September sollen es 50 sein
- 75 Standorte bis Jahresende
- 150 Händler bis Ende 2027, ursprünglich war das erst für 2028 geplant
- neue Partner erhalten über Finanzierungspartner BNP Paribas eine Kreditlinie von mindestens einer Million Euro
Für dieses Jahr peilt Geely rund 5.000 verkaufte Fahrzeuge an. Laut Hempel wäre das der schnellste Marktstart, den ein Hersteller in Deutschland je hingelegt hat.
Von drei auf 16 Modelle
Auch beim Angebot geht es Schlag auf Schlag. Aktuell stehen drei Modelle im Schaufenster: das Kompakt-SUV E5 ab 37.990 Euro, der Plug-in-Hybrid Starray EM-i ab 32.990 Euro und der Kleinwagen E2, der im September zu Preisen ab 19.990 Euro an den Start geht (Leasing ab 99 Euro im Monat). Bis Ende 2028 will Geely die Palette auf 16 Modelle ausbauen. Rückenwind gibt es von unabhängiger Seite: Der E2 holte Anfang September fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest.
Der Fahrplan passt ins Bild des Gesamtkonzerns: In Österreich lief der Marktstart bereits Ende August, die Schweiz folgte Mitte September. Damit bespielt Geely den kompletten DACH-Raum, und das nach nicht einmal einem Jahr Anlauf.
Kann das klappen?
Die kurze Antwort: Die Chancen stehen besser, als die aktuellen Zulassungszahlen vermuten lassen. Mit dem E2 hat Geely einen Preisbrecher im Kleinwagensegment, in dem BYD und MG um jeden Kunden kämpfen, und mit Hempel einen Manager, der genau diesen Aufbau bei MG schon einmal durchexerziert hat. Offen bleibt, ob das Händlernetz beim Rekordtempo qualitativ mithält. Wir behalten die Zulassungszahlen im Blick.
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