KI-Video gegen Aito: Jetzt greift Hersteller Seres durch
Ein gefälschtes KI-Video sollte Aito unsicher aussehen lassen. Hersteller Seres antwortet mit einer Klage, die aufhorchen lässt.
Ein paar Sekunden Video, nicht einmal 3.000 Aufrufe, und trotzdem ein Fall fürs Gericht: Seres, Hersteller der gemeinsam mit Huawei betriebenen Marke Aito, verklagt einen Mann, der mit künstlicher Intelligenz ein Fälschungsvideo über eines seiner Autos in Umlauf gebracht hat. Die Forderung hat es in sich: umgerechnet rund 134.000 Euro (eine Million Yuan) Schadenersatz.
Ein Auto, das in sich zusammenfällt
Das Video zeigt laut übereinstimmenden chinesischen Medienberichten ein Aito-Fahrzeug, dessen Karosserie während der Fahrt in sich zusammenfällt, unterlegt mit einem Kommentar, der die Sicherheit des Modells anzweifelt. Der Clip war vollständig KI-generiert und wurde auf einer Kurzvideo-Plattform veröffentlicht, offenbar schlicht, um Klicks einzusammeln. Nach eigenen Angaben des Urhebers in einem Gruppenchat brachte er es auf weniger als 3.000 Aufrufe. Für Seres spielt das keine Rolle: Gerüchte über die Produktsicherheit verbreiten sich im Autogeschäft rasend schnell und wirken lange nach, selbst wenn die ersten Klickzahlen klein sind, argumentieren Kommentatoren in chinesischen Medien.
Löschen, entschuldigen, zahlen
Die Klage liegt beim Volksgericht der Neuen Zone Liangjiang in Chongqing, verhandelt wird am 23. Oktober. Seres fordert:
- Löschung sämtlicher Inhalte und ein Ende der Rechtsverletzung
- eine öffentliche schriftliche Entschuldigung
- eine Million Yuan Schadenersatz
- die Übernahme sämtlicher Verfahrenskosten
Entschuldigt sich der Mann nicht fristgerecht, kann das Gericht das Urteil auf seine Kosten in einer landesweiten Zeitung veröffentlichen lassen. Der Beklagte gibt sich in Chatnachrichten überrumpelt: Es sei die erste Vorladung seines Lebens, und ernsthaft zahlen müsse er doch wohl nicht. Juristen sehen das in den Berichten anders: KI sei nur ein Werkzeug, verantwortlich bleibe, wer die Fälschung erstellt und verbreitet.
Eine Klage mit Ansage
Zufall ist das Vorgehen nicht. Erst am Vortag hatte Seres angekündigt, einen festen Reaktionsmechanismus gegen Rufschädigung einzurichten und Schmutzkampagnen konsequent vor Gericht zu bringen. Schon im Mai hatte der Konzern einen Nutzer der Frageplattform Zhihu wegen Verleumdung auf dieselbe Summe verklagt. Bisherige Urteile in vergleichbaren Fällen fielen mit umgerechnet rund 4.000 bis 21.000 Euro (30.000 bzw. 160.000 Yuan) deutlich niedriger aus. Zu niedrig, um abzuschrecken, monieren Beobachter in China.
Warum uns das betrifft
Für Seres steht mehr auf dem Spiel als der Ruf daheim: Erst vor zwei Tagen hat der Konzern den Europastart von Aito offiziell gemacht. Wer hierzulande Premiumkundschaft gewinnen will, kann Zweifel an der Sicherheit seiner Autos am allerwenigsten gebrauchen. Und das Phänomen dürfte nicht an Chinas Grenzen haltmachen: KI-Fälschungen lassen sich in jeder Sprache produzieren, auch auf Deutsch. Wie hart Gerichte gegen die Urheber vorgehen, wird derzeit vor allem in China ausgelotet. Am 23. Oktober dann ganz konkret.
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Verwendete Quellen
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