BYDs nächstes Ladeziel stellt alles Bisherige in den Schatten

Auf dem Weltkongress in Haikou hat BYD verraten, wohin die Reise beim Blitzladen geht. Der Maßstab ist ausgerechnet die gute alte Tankstelle.

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Türkisfarbene T-förmige Blitzladesäule von BYD mit zwei Ladekabeln vor hellem Hintergrund
BYDs T-förmige Blitzlade-Säule versorgt zwei Fahrzeuge gleichzeitig | Bild: BYD

90.000 Ladestationen in gut zwei Jahren: Mit dieser Ansage hat BYD-Chefwissenschaftler Lian Yubo auf dem Weltkongress für New Energy Vehicles (WNEVC) in Haikou die Messlatte für Chinas Lademarkt neu gelegt. Die Zahl ist kein Zufall, denn rund 90.000 Tankstellen gibt es derzeit in der Volksrepublik. Genau daran will sich BYD messen: Die Dichte der eigenen Blitzladestationen soll das Tankstellennetz einholen.

Wie die chinesischen Portale „Sina Tech“ und „Kuai Keji“ berichten, sollen die Stationen Städte, Autobahnen und auch entlegene Regionen abdecken. Die Grundlage dafür sieht Lian in BYDs eigener Lieferkette: Blade-Batterie der zweiten Generation, Photovoltaik-Ladesäulen und Energiespeicher kommen allesamt aus dem eigenen Haus.

Von 10.000 auf 90.000: Ansage mit Ansage

Stand heute betreibt BYD nach eigenen Angaben gut 10.000 Blitzladestationen, die zehntausendste ging Ende August in Shenzhen ans Netz. Bis Jahresende sollen es 20.000 sein. Und erst am Donnerstag meldete der Konzern die 2.000ste Blitzladestation an Chinas Autobahnen, drei Monate früher als geplant. Der Sprung auf 90.000 wäre trotzdem eine andere Liga: Er bedeutet fast eine Verneunfachung des Bestands in gut zwei Jahren.

Ambitioniert? Und wie. Allerdings lag BYD beim Ladenetz zuletzt konsequent vor dem eigenen Zeitplan, und der Druck der Konkurrenz wächst: Geely hat gerade ein Ladesystem mit 2,25 Megawatt Spitzenleistung vorgestellt. In China ist das Ladenetz längst Teil des Produkts: Wer die dichteste Infrastruktur bietet, verkauft am Ende auch die Autos.

Und was haben wir davon?

Für Deutschland und Österreich ist die Ansage mehr als ein fernes Spektakel. BYD bringt seine Blitzlade-Technik bereits nach Europa: Die erste 1.500-kW-Säule Deutschlands ist eingeweiht, und nach Angaben aus dem Frühjahr will der Konzern bis Jahresende rund 3.000 Flash Charger in Europa aufstellen. Als erstes Serienmodell hierzulande kann der Denza Z9 GT die hohen Ladeleistungen nutzen, weitere Modelle sollen folgen.

Ob der Ausbau bei uns ähnlich flott läuft wie in China, ist allerdings die eigentliche Frage: Netzanschlüsse und Genehmigungen dauern in Deutschland und Österreich erfahrungsgemäß deutlich länger, und ein eigenes Grundstücksnetz wie daheim hat BYD hier nicht. Die Marschrichtung aber ist unmissverständlich: BYD will das Laden so banal machen wie den Tankstopp, und zwar nicht nur zu Hause in China. Für E-Auto-Fahrer im deutschsprachigen Raum ist das eine gute Nachricht, denn jeder neue Blitzlader erhöht den Druck auf die etablierten Ladenetz-Betreiber, bei Tempo und Preisen nachzulegen.

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