Schneller als BYD: Geely zündet die nächste Ladestufe
Geely kontert BYDs Blitzlade-Offensive mit einem KI-Ladesystem, dessen Werte aufhorchen lassen. Was dahintersteckt und was davon bei uns ankommt.
Kaum meldet BYD, dass sein Blitzlade-Netz schneller wächst als geplant, legt die Konkurrenz nach: Geely hat in Ningbo ein neues Ladesystem namens Geely Smart Charging vorgestellt. Eine einzelne Ladesäule der fünften Generation soll in der Spitze 2.250 Kilowatt liefern, laut Geely ein Branchenrekord. Zum Vergleich: Die stärkste Einzelsäule von BYD kommt laut „CnEVPost“ auf 1.500 Kilowatt.
Die wichtigsten Werte im Überblick:
- Spitzenleistung: 2.250 kW pro Ladepunkt (fünfte Stationsgeneration)
- Lynk & Co 10 und Zeekr 001: von 10 auf 70 Prozent in 4 Minuten 30 Sekunden
- Von 10 auf 97 Prozent in 8 Minuten 40 Sekunden
- Batterie: „Shendun Golden Battery“ mit bis zu 12C Laderate
- Zelltemperatur beim Schnellladen: im Schnitt unter 55 Grad, in der Spitze unter 65 Grad
Damit unterbietet Geely nach eigenen Angaben auch BYDs Paradedisziplin: Dessen Blitzladen braucht laut „CnEVPost“ für den Hub von 10 auf 70 Prozent rund fünf Minuten.
Eine KI wacht über die Batterie
Das eigentlich Spannende steckt hinter den Kulissen. Gemeinsam mit dem KI-Start-up StepFun hat Geely das Energiemodell Xingrui PowerMind entwickelt, das Fahrzeug, Batterie, Ladesäule, Cloud und Stromnetz koordiniert. Die KI soll die Zelltemperatur 30 Sekunden im Voraus vorhersagen und die Ladeleistung laufend anpassen. Eine Puls-Regenerationstechnik soll die Lebensdauer der Batterie zudem um bis zu 20 Prozent verlängern. Wohlgemerkt: Das alles sind Herstellerangaben, unabhängige Messungen stehen noch aus. Chinesische Medien berichten außerdem von ehrgeizigen Ausbauplänen: Bis Ende 2027 sollen mehr als 22.000 Stationen mit über 100.000 Ladepunkten stehen.
Kommt das Turbo-Laden auch zu uns?
Kurzfristig nicht. Das Ladenetz entsteht in China, zu Europa schweigt sich die Mitteilung komplett aus. Trotzdem lohnt der Blick hin: Zeekr 001 und die Modelle von Lynk & Co werden auch in Europa verkauft, und der Mutterkonzern baut seine Präsenz in Deutschland gerade zügig aus. Die Technik von heute in Ningbo ist damit ein Vorgeschmack auf das, was die Chinesen mittelfristig auch hierzulande in die Waagschale werfen können. Denn die gezeigten Ladeleistungen sind ein Vielfaches dessen, was an deutschen oder österreichischen Autobahnen heute üblich ist.
Bleibt die Frage, was solche Fabelwerte im Alltag taugen. Ohne passende Säule lädt auch das 12C-Auto nicht schneller als jedes andere, und der Netzanschluss für eine 2,25-Megawatt-Säule ist alles andere als trivial. Die kurze Antwort auf die Frage, wer im chinesischen Lade-Wettrüsten gerade vorne liegt, lautet trotzdem: seit heute Geely. Zumindest auf dem Papier.
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Verwendete Quellen
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