Feststoffbatterie: China legt den Masterplan vor
China verordnet seiner Batterieindustrie einen Fünfjahresplan mit klarer Marschroute. Was drinsteht und warum Europa genau hinschauen sollte.
Sieben Behörden, ein Dokument, eine Marschroute: Chinas Industrieministerium MIIT hat am 28. September zusammen mit sechs weiteren Ministerien den ersten Fünfjahresplan für die „neuartige Batterieindustrie“ veröffentlicht. Das Papier steckt den Rahmen für die Jahre 2026 bis 2030 ab und lässt an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig: Auch die nächste Batteriegeneration soll zuerst in China in Serie gehen.
Feststoffzellen bis 2030 in Großserie
Im Zentrum steht die Feststoffbatterie, also der Zelltyp mit festem statt flüssigem Elektrolyt, der höhere Energiedichte und mehr Sicherheit verspricht. Bis 2030 soll die Technik laut Plan in ersten größeren Stückzahlen zum Einsatz kommen. Damit gibt Peking der gesamten Branche ein verbindliches Datum vor, an dem sich Zellhersteller, Autobauer und Zulieferer ausrichten können. Gefördert werden ausdrücklich auch die passenden Produktionsanlagen, etwa isostatische Pressen, die für die Fertigung von Feststoffzellen gebraucht werden.
Daneben nennt der Plan weitere Ziele:
- Langlebige Lithium-Akkus mit bis zu 15.000 Ladezyklen
- Fehlerquoten führender Hersteller im PPB-Bereich, also wenige fehlerhafte Teile pro Milliarde
- Natrium-Batterien als zweites Standbein, etwa für Kälteregionen und stationäre Speicher
- Ein flächendeckendes Recycling-System samt digitalem Batteriepass
Nicht nur Autos im Blick
Bemerkenswert ist, wie breit Peking denkt: Neben Elektroautos nennt das Papier Schiffe, Fluggeräte, Roboter sowie Bau- und Landmaschinen als Zielmärkte. Der Batterieplan ergänzt den ebenfalls im September vorgelegten Fünfjahresplan für die Autoindustrie, der bis 2030 einen Anteil von 70 Prozent New-Energy-Fahrzeugen an Chinas Pkw-Neuzulassungen anpeilt. Zusammengenommen ergibt das eine Industriepolitik aus einem Guss, während Europa noch über Verbrenner-Ausnahmen debattiert.
Was heißt das für Europa?
Schon bei der aktuellen Zellgeneration dominiert China die Weltproduktion, und die Branche baut ihre Präsenz direkt vor unserer Haustür aus: CATL fährt gerade sein Riesenwerk im ungarischen Debrecen hoch, Volkswagen bindet sich mit gleich drei Joint Ventures an den Zellhersteller Gotion. Europas eigene Feststoff-Hoffnungen stecken dagegen noch in der Pilotphase, wie zuletzt bei VWs Batterietochter PowerCo und ihrem US-Partner QuantumScape zu besichtigen war.
Ob Chinas Zeitplan hält, ist offen: Auch dortige Hersteller kämpfen bei Feststoffzellen noch mit Kosten und Haltbarkeit, und ein Fünfjahresplan ist zunächst eine Absichtserklärung. Nur: Bei der heutigen Akku-Generation hat genau dieses Zusammenspannen von Staat, Forschung und Industrie funktioniert. Für Autofahrer in Deutschland und Österreich heißt das nüchtern betrachtet: Die ersten bezahlbaren Autos mit Feststoffbatterie dürften eher ein chinesisches Logo tragen als ein europäisches. Und die Schweiz, in der die EU-Zusatzzölle auf China-Stromer nicht gelten, könnte sie sogar noch früher auf der Straße sehen.
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Verwendete Quellen
- MIIT: Fünfjahresplan für die neuartige Batterieindustrie (Volltext der Mitteilung) (Chinesisch)
- 21 Jingji: Erster Fünfjahres-Fahrplan für die Billionen-Batteriebranche (Chinesisch)
- CnEVPost: China unveils 5-year battery plan targeting large-scale all-solid-state use by 2030 (Englisch)
- electrive: QuantumScape steht kurz vor Einweihung seiner Pilotlinie
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