VW und Gotion schmieden den nächsten Milliardenpakt
VW und Gotion gründen drei Joint Ventures für Zellen und Batteriematerial. Dahinter steckt eine Schwachstelle, die Europas ganze E-Auto-Industrie betrifft.
Der Volkswagen-Konzern bindet seinen chinesischen Batteriepartner Gotion High-tech so eng an sich wie nie zuvor: Drei neue Gemeinschaftsunternehmen sollen künftig Batteriezellen und Kathodenmaterial für Europa liefern, Gesamtvolumen rund 3,2 Milliarden Euro. Dabei geht es um weit mehr als um zwei Fabriken. Es geht um eine Schwachstelle, die Europas Autoindustrie seit Jahren begleitet.
Drei Standorte, klare Rollenverteilung
Die Eckpunkte der Vereinbarung, die Volkswagen und Gotion am Montag bekannt gaben:
- Sagunt bei Valencia (Spanien): Die bestehende Gigafactory von VWs Batterietochter PowerCo wird zum gemeinsamen Zellwerk mit 29,1 GWh Jahreskapazität. PowerCo hält 51 Prozent, Gotion steigt mit rund 1,1 Milliarden Euro für 49 Prozent ein. Gesamtinvestition: rund 2,26 Milliarden Euro.
- Šurany (Slowakei): Zellfabrik mit 8,4 GWh Jahreskapazität für E-Autos und Energiespeicher, rund 480 Millionen Euro. Hier führt Gotion mit 51 Prozent.
- Kenitra (Marokko): Werk für jährlich 100.000 Tonnen LFP-Kathodenmaterial, ebenfalls rund 480 Millionen Euro, ebenfalls unter Gotion-Führung. Es soll vorrangig die beiden europäischen Zellwerke beliefern.
Warum LFP der Knackpunkt ist
Alle drei Projekte drehen sich um LFP-Technik, also Zellen auf Eisenbasis, die als günstig und langlebig gelten und bislang fast komplett aus China kommen. Volkswagen rechnet damit, dass ihr Marktanteil von heute rund zehn Prozent auf 40 bis 60 Prozent im Jahr 2030 steigt. Nennenswerte LFP-Produktion gibt es in Europa laut dem Konzern aber bisher nicht. Genau diese Lücke sollen die neuen Werke schließen: Sagunt wird zum europäischen Produktions-Hub für die Einheitszelle des Konzerns.
Fertig ist der Pakt allerdings noch nicht. Die Verträge sind laut Gotions Börsenmitteilung noch nicht unterzeichnet, Aktionäre und Behörden müssen zustimmen, und pro Projekt sind bis zu fünf Jahre Bauzeit veranschlagt. Auffällig auch: Die Kapazitäten fallen kleiner aus als früher angekündigt. Für Sagunt waren einst bis zu 40 GWh im Gespräch, wie „electrive“ anmerkt.
VW verkauft Aktien und bleibt trotzdem an Bord
Pikantes Detail am Rande: Volkswagen trennt sich im Zuge der Vereinbarung von 5,3 Prozent seiner Gotion-Aktien. Der Konzern war zuletzt mit gut 24 Prozent größter Aktionär des Batterieherstellers und betont, auch künftig ein bedeutender Anteilseigner mit Sitz im Board zu bleiben. Die Botschaft ist klar: weniger gebundenes Kapital, dafür mehr operative Verzahnung. Die Partnerschaft der beiden läuft übrigens schon seit 2020.
Was heißt das für uns?
Für Deutschland und Österreich ist die Nachricht doppelt relevant. Erstens hängen die kommenden Günstig-Stromer aus dem VW-Konzern direkt an diesem Nachschub, denn ohne bezahlbare LFP-Zellen gibt es keine bezahlbaren E-Autos. Zweitens zeigt der Deal, wie stark Europas Batterie-Aufbau inzwischen auf chinesisches Know-how baut. Während Brüssel über Zölle auf chinesische Autos streitet, errichten chinesische Zellhersteller die Lieferkette des Kontinents: CATL hat gerade sein Mega-Werk in Ungarn angefahren, nun folgt Gotion mit gleich zwei Standorten. Die Abhängigkeit verschwindet also nicht, sie wechselt nur die Ebene: weg vom Import fertiger Zellen, hin zur Fertigung vor der Haustür.
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