Batterien für Mercedes und BMW: CATLs Mega-Werk in Ungarn läuft an
In Debrecen laufen die ersten Zellen vom Band. Warum der Start für Mercedes keinen Tag zu früh kommt und was BMW plant.
Vier Jahre nach der großen Ankündigung ist es so weit: CATL hat am 22. September im ungarischen Debrecen die Testproduktion von Batteriezellen aufgenommen. Die ersten beiden Fertigungslinien laufen, der Rest des Riesenwerks folgt Schritt für Schritt. Für Chinas Batterieprimus ist das der wichtigste Meilenstein seiner Europa-Strategie, und die deutschen Autobauer schauen ganz genau hin.
Im Testbetrieb geht es laut CATL darum, die Anlagen einzurichten, zu optimieren und die Fertigungsprozesse zu validieren. Der Weg dahin war lang: Baubeginn im Sommer 2023, fertig ausgerüstet im Frühjahr 2026, die Betriebsgenehmigung kam im August. Batteriemodule montiert CATL in Debrecen übrigens schon seit Herbst 2024, bislang 537.000 Stück.
Größer geht es außerhalb Chinas nicht
Die Dimensionen des Projekts können sich sehen lassen:
- Investition: 7,34 Milliarden Euro
- Zielkapazität: 100 GWh pro Jahr, rechnerisch genug für rund eine Million Elektroautos
- Status: Testbetrieb auf den ersten zwei Zelllinien seit dem 22. September 2026
- Erster und größter Kunde: Mercedes-Benz
Nach dem Endausbau ist Debrecen laut CATL der größte Produktionsstandort des Konzerns außerhalb Chinas. Neben dem deutlich kleineren Werk in Erfurt ist es erst die zweite europäische Fabrik der Chinesen.
Mercedes wartet schon, BMW ist 2027 dran
Dass der Start keinen Tag zu früh kommt, zeigt der Blick auf die Kundschaft. Mercedes hat sich bereits 2022 als erster und größter Abnehmer der Anfangskapazität positioniert. Nur: Eigentlich sollte die Serienproduktion laut „electrive“ schon im Frühjahr 2026 laufen. Weil daraus nichts wurde, bekommt Mercedes die Akkupacks für den elektrischen Van VLE vorerst weiter aus China, die Mehrkosten übernimmt CATL.
Verantwortlich für die Verzögerung waren vor allem zähe Genehmigungsverfahren und verschärfte Umweltauflagen; im Mai sorgte zudem ausgetretene grüne Flüssigkeit für einen Zwischenfall samt Untersuchung. Entsprechend betont CATL jetzt, alle Auflagen erfüllt zu haben und Arbeitssicherheit wie Umweltwerte im Testbetrieb streng zu überwachen.
Und BMW? Dessen ungarisches Werk steht praktischerweise in derselben Stadt. Ab 2027 sollen die Münchner Zellen aus der Nachbarschaft beziehen, bis dahin liefert CATL aus China zu.
Warum das auch für China-Stromer zählt
Für den DACH-Markt ist der Hochlauf gleich doppelt relevant. Erstens stecken CATL-Zellen künftig in E-Autos von Mercedes und BMW aus europäischer Fertigung, mit kürzeren Wegen, besserer CO2-Bilanz und weniger Abhängigkeit von Importen. Zweitens bauen immer mehr chinesische Hersteller eine eigene Fertigung in Europa auf, Xpeng etwa lässt sein neues Flaggschiff bald bei Magna in Graz vom Band laufen. Auch diese Werke brauchen früher oder später Zellen vom Kontinent, und ein 100-GWh-Standort mitten in der EU dürfte da schnell Begehrlichkeiten wecken.
Ein Wermutstropfen bleibt: Testproduktion ist noch keine Serienproduktion, und der Hochlauf einer Zellfabrik dauert erfahrungsgemäß Monate. Wann die erste Serienzelle vom Band läuft, lässt CATL offen. Die kurze Antwort auf die Frage, ob Europas Batterielücke damit geschlossen ist: noch nicht. Aber Debrecen ist ein gewaltiger Schritt in diese Richtung.
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Verwendete Quellen
- CATL: Pressemitteilung zum Start der Testproduktion in Ungarn (Englisch)
- CnEVPost: CATL begins trial cell production at planned 100 GWh Hungary plant (Englisch)
- electrive: CATL sources battery components from China instead of Debrecen (Englisch)
- CATL: Ankündigung des Werks in Debrecen (2022) (Englisch)
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