Chinas E-Auto-Markt: Der goldene September fällt aus
Mitten in der traditionellen Hochsaison melden Chinas Autohändler tiefrote Zahlen. Die Schwäche daheim dürfte bald auch bei uns zu spüren sein.
„Goldener September, silberner Oktober“: So nennen Chinas Autohändler die traditionell stärksten Verkaufsmonate des Jahres. Doch diesmal bleibt der Glanz aus. Zwischen dem 1. und dem 27. September gingen in China nur noch 827.000 New Energy Vehicles (vollelektrische Autos und Plug-in-Hybride) an Endkunden, ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum. Das zeigen frische Daten des Branchenverbands CPCA, über die unter anderem „CnEVPost“ und „Sina Finance“ berichten.
Der Blick auf den Gesamtmarkt macht es nicht besser, im Gegenteil:
- E-Autos und Plug-in-Hybride, 1. bis 27. September: 827.000 Stück im Einzelhandel, minus 20 Prozent zum Vorjahr
- Gesamter Pkw-Einzelhandel: 1,26 Millionen Stück, minus 29 Prozent
- Anteil der New Energy Vehicles am Markt: 65,7 Prozent
- Seit Jahresbeginn: 7,5 Millionen verkaufte New Energy Vehicles, minus 13 Prozent
Warum der Boom-Markt plötzlich schwächelt
Der Verband liefert die Erklärung gleich mit: Im September 2025 lief in mehreren Regionen die Kaufprämie aus, was damals eine regelrechte Torschlusspanik auslöste. Die Vergleichsbasis für dieses Jahr liegt entsprechend hoch. Dazu kommt ein Kalendereffekt, denn das Mittherbstfest fiel in diesem Jahr in den September und kostete in der vierten Woche Verkaufstage.
Ganz beruhigen können diese Erklärungen aber nicht. Auch aufs Jahr gesehen liegt der Einzelhandel mit E-Autos und Plug-in-Hybriden deutlich im Minus, der Gesamtmarkt sogar um 22 Prozent. Die Zeiten, in denen Chinas Heimatmarkt jedes Wachstumsziel von selbst erfüllte, sind vorerst vorbei.
Die Autos müssen irgendwohin
Spannend wird es bei einer zweiten Zahl: Während der Einzelhandel seit Jahresbeginn um 13 Prozent schrumpfte, legte der Großhandel ab Werk um 7 Prozent auf 10,81 Millionen New Energy Vehicles zu. Die Lücke zwischen dem, was die Fabriken ausspucken, und dem, was daheim gekauft wird, wächst also weiter. Ein großer Teil dieser Autos geht in den Export, der Rest stapelt sich bei den Händlern.
Was heißt das für uns?
Die kurze Antwort: mehr Druck auf Europa. Wenn der Heimatmarkt lahmt, wird der Export vom Bonusgeschäft zur Pflicht. Schon jetzt ist der Effekt sichtbar: Erst vergangene Woche haben Chinas Marken in Europa einen Zulassungsrekord aufgestellt, und mehrere Hersteller sind auf der Suche nach eigenen Werken in Europa. Für Deutschland und Österreich dürfte das noch mehr neue Modelle und noch aggressivere Preise bedeuten, auch in der Schweiz drängen laufend neue Marken auf den Markt. Für Käufer bei uns sind das gute Nachrichten. Für die Hersteller beginnt dagegen ein Härtetest: Wer schon daheim um jede Marge kämpft, muss den teuren Europa-Ausbau aus immer dünneren Reserven stemmen.
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Update, 10.10.2026: Inzwischen liegt eine Schätzung für den ganzen Monat vor: Der Branchenverband CPCA taxiert den NEV-Großhandel im September auf rund 1,67 Millionen Fahrzeuge, das wäre der höchste Monatswert des Jahres 2026 und ein Plus von etwa 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Haupttreiber sind laut CPCA die starken Exporte. An der Schwäche im Inland ändert das nichts, die Lücke zwischen Fabrikausstoß und Heimmarkt wächst damit sogar weiter.
Verwendete Quellen
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