Machtwechsel bei Aito: Huawei tritt zurück ins zweite Glied
Huaweis Vorzeigemarke bekommt einen neuen Kapitän. Was hinter dem Umbau bei Aito steckt und warum er ausgerechnet jetzt kommt.
Bei Chinas erfolgreichster Allianz aus Tech-Konzern und Autobauer verschieben sich die Gewichte. Der Hersteller Seres führt künftig das Tagesgeschäft der Marke Aito, Huawei zieht sich auf die Rolle des Technologiepartners zurück. Jetzt hat sich Huaweis Auto-Chef Yu Chengdong erstmals öffentlich zu dem Umbau geäußert.
Seres übernimmt das Kommando
Mitte September machte die Markenallianz Harmony Intelligent Mobility Alliance (HIMA) den Schritt offiziell: Seres übernimmt bei Aito die Produktdefinition, das Design, das Marketing sowie Vertrieb und Service. Aito bleibt zwar Teil des Verbunds, bekommt aber ein eigenes Händlernetz; ein Teil der bisherigen HIMA-Stores wechselt zu Seres. Die vier übrigen Allianz-Marken Luxeed, Stelato, Maextro und Shangjie führt Huawei dagegen weiterhin selbst.
Am 24. September äußerte sich Yu Chengdong bei einem Store-Besuch in Hefei erstmals öffentlich zu dem Wechsel. Der Vorstoß sei von Seres selbst gekommen, sagte er laut chinesischen Medienberichten: Der Partner sei in der Zusammenarbeit stark gewachsen und wolle nun selbst führen, Huawei unterstütze das. Die für dieses Jahr geplanten neuen Aito-Modelle sollen demnach noch von Huawei-Teams geprägt sein. Danach will der Konzern seine Ressourcen auf die vier verbliebenen Marken konzentrieren.
Warum gerade jetzt?
Die kurze Antwort: Es geht ums Geld. Seres rutschte im ersten Halbjahr 2026 in die roten Zahlen. Unter dem Strich stand ein Verlust von 1,72 Milliarden Yuan (rund 225 Millionen Euro), nach einem Gewinn von 2,94 Milliarden Yuan im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank um knapp acht Prozent auf 57,5 Milliarden Yuan (rund 7,5 Milliarden Euro). Dazu passt, was chinesische Medien berichten: Huawei soll bislang rund 50.000 Yuan (etwa 6.600 Euro) pro verkauftem Aito kassiert haben. Wer solche Abgaben zahlt, will irgendwann selbst ans Steuer. Schon 2024 hatte Seres dem Tech-Konzern die Aito-Markenrechte für 2,5 Milliarden Yuan abgekauft.
Rückenwind sieht außerdem anders aus: Im August lieferte die HIMA-Allianz 42.101 Fahrzeuge aus, gut fünf Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Was heißt das für Europa?
Bei uns spielt der Umbau vorerst keine direkte Rolle: Aito ist weder in Deutschland noch in Österreich erhältlich, auch in der Schweiz nicht, einen offiziellen Europa-Vertrieb gibt es schlicht nicht. Spannend ist der Vorgang trotzdem. Er zeigt, dass selbst die erfolgreichste Ehe zwischen Tech-Konzern und Autobauer kein Selbstläufer ist, sobald die Margen schrumpfen. Und während andere chinesische Hersteller in Europa gerade Rekorde aufstellen, bindet dieser Umbau Kräfte auf dem Heimatmarkt. Sollte Aito irgendwann doch den Sprung zu uns wagen, säße dann Seres am Steuer: ein Konzern, dessen Name hierzulande deutlich weniger Strahlkraft hat als Huawei.
Update, 02.10.2026: Huawei und Seres haben am 30. September in Shenzhen ein neues Abkommen unterzeichnet, das die Zusammenarbeit bei Aito für fünf weitere Jahre festschreibt. Die Details liest du in unserer neuen Meldung.
Verwendete Quellen
- CnEVPost: Huawei reshapes Aito partnership as Seres takes lead (Englisch)
- Sina Finance: Yu Chengdong bestätigt Führungswechsel bei Aito (Chinesisch)
- CnEVPost: Seres swings to H1 loss on parts price hikes, asset impairment (Englisch)
- CarNewsChina: Seres Auto takes control of Aito amid falling profits (Englisch)
- CnEVPost: Huawei, Seres sign new 5-year deal to upgrade Aito business (Englisch)
Erstellt mit KI-Unterstützung nach unseren Redaktionsrichtlinien.