Zeekr ändert den Kurs: Deutschland bekommt ein Händlernetz

Erst Direktvertrieb, jetzt Autohäuser: Zeekr startet den Aufbau seines deutschen Händlernetzes. Hinter dem Kurswechsel steckt mehr als Expansionslust.

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Handschlag zwischen Zeekr und der Jacobs-Gruppe vor einem dunkelgrünen Zeekr-SUV am Autohaus in Aachen
Schulterschluss mit dem Handel: Zeekr besiegelt die Partnerschaft mit der Jacobs-Gruppe in Aachen | Bild: Zeekr

Bislang lief der Autokauf bei Zeekr in Deutschland komplett ohne Autohaus: verkauft wurde digital, über eigene Standorte in wenigen Großstädten und vor allem im Flottengeschäft. Jetzt vollzieht die Premium-Elektromarke aus dem Geely-Konzern den Kurswechsel und baut ein klassisches Händlernetz auf. Die ersten beiden Partner stehen fest, beide kommen aus Nordrhein-Westfalen.

Den Anfang machen die Jacobs-Gruppe und die Bleker-Gruppe. Jacobs vertritt Zeekr künftig auf der Aachener Automeile an der Neuenhofstraße, Bleker startet im Autoforum Münster und deckt damit das Münsterland und das Ruhrgebiet ab. Bei beiden Häusern kannst du künftig Probe fahren, dich beraten lassen, bestellen, finanzieren, den Gebrauchten in Zahlung geben und den Neuwagen abholen: das volle Autohaus-Programm eben.

Mehr als 60 Standorte bis 2027

Dabei soll es nicht bleiben. Schon im Laufe des Jahres 2027 will Zeekr nach eigenen Angaben bundesweit mehr als 60 Handelspartner an Bord haben, mit weiteren Interessenten laufen bereits Gespräche. Das Servicenetz steht ohnehin: Über 100 zertifizierte Partnerbetriebe kümmern sich hierzulande schon heute um Wartung und Reparatur. Deutschland-Geschäftsführer Lukas Dohle spricht von der „nächsten Phase“, in der die Marke über den Handel auch Privatkunden und kleinere Gewerbekunden erreichen will.

Warum Zeekr jetzt umsteuert

Hinter dem Strategiewechsel steckt eine ziemlich ernüchternde Bilanz. Seit dem Marktstart im Dezember 2025 hat Zeekr nach eigenen Angaben gut 750 Bestellungen eingesammelt. Zur Einordnung: Laut „electrive“ kam BYD allein von Januar bis August 2026 auf über 36.000 Neuzulassungen in Deutschland, Leapmotor auf gut 13.000 und Xpeng auf knapp 5.800. Wer als junge Marke ohne bekannten Namen nur digital verkauft, hat es offensichtlich schwer. Das Autohaus um die Ecke liefert dagegen genau das, was beim reinen Onlinevertrieb fehlt: Vertrauen, spontane Probefahrten und ein Gesicht, das man kennt.

Zeekr liegt mit dem Schritt voll im Trend. Auch Omoda und Jaecoo setzen von Anfang an aufs Autohaus und haben mit dieser Strategie in kurzer Zeit ein dichtes Netz aufgebaut. NIO wiederum streicht sein teures eigenes Standortnetz gerade zusammen. Die Lektion aus beiden Fällen: Wer in Deutschland Autos verkaufen will, kommt am klassischen Handel offenbar nicht vorbei.

Und was ist mit Österreich und der Schweiz?

Für Österreich ist die Sache bereits terminiert: Im vierten Quartal 2026 startet Zeekr dort mit einer breiten Modellpalette vom kompakten X bis zum Luxus-SUV 9X. Den Vertrieb übernimmt die AutoWallis-Gruppe, die in Österreich schon Geely vertreibt und auf ein bestehendes Händlernetz zurückgreifen kann. In der Schweiz ist Zeekr schon länger angekommen: Dort kümmert sich die Emil-Frey-Gruppe um den Vertrieb der Marke. Und der Mutterkonzern macht ohnehin gerade Tempo im deutschsprachigen Raum: Geely drängt mit der eigenen Marke forsch auf den deutschen Markt.

Bleibt die Frage, ob 60 Händler reichen, um aus ein paar Hundert Bestellungen eine relevante Größe zu machen. Die Antwort gibt es wohl 2027. Die Richtung aber stimmt: Näher am Kunden war Zeekr in Deutschland jedenfalls noch nie.

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