CATL und Aito: Dieser Handschlag soll bis nach Europa reichen
Seres und CATL besiegeln eine Allianz, die weit über China hinausreicht. Für den DACH-Raum enthält der Pakt einen spannenden Fingerzeig.
Es war eine Unterschrift zu später Stunde: Am Samstagabend haben der Batterieriese CATL und die Aito-Mutter Seres in Chongqing einen langfristigen Strategiepakt geschlossen. Die Kernbotschaft ist eindeutig: Alle Modelle der Huawei-Marke Aito fahren auch in Zukunft mit Zellen von CATL. Und im Vertrag steht ein Punkt, der aufhorchen lässt: Gemeinsam wollen die beiden Konzerne nach Europa.
Ein Batteriewerk mitten in der Autofabrik
Kern der Vereinbarung ist der Ausbau des „Werk im Werk“-Projekts: CATL fertigt direkt in der Superfabrik von Seres in Chongqing. Die zweite Ausbaustufe mit 10 bis 12 Gigawattstunden Jahreskapazität wird nun beschleunigt, zusammen mit der seit Juni 2025 laufenden ersten Stufe sollen es über 20 Gigawattstunden pro Jahr werden. Es war das erste Projekt dieser Art für CATL überhaupt. Dazu kommen der gemeinsame Ausbau von Schnellladenetzen und Batteriedienste über den gesamten Lebenszyklus. Wie lange der Vertrag läuft und welche Modelle im Detail betroffen sind, sagen beide Seiten nicht. Die Basis stimmt jedenfalls: Über 1,2 Millionen Aito wurden bislang ausgeliefert, alle mit CATL-Batterien an Bord.
Ein Pakt gegen den Trend
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt. In China machen derzeit viele Hersteller das Gegenteil und verringern ihre Abhängigkeit vom Marktführer, vor allem aus Kostengründen; die Branche hat dafür längst ein Schlagwort: „De-CATL“. Jüngstes Beispiel ist Li Auto: Der neue i6 kommt als erstes Modell der Marke ganz ohne CATL aus. Seres hält bewusst dagegen. Anlegern erklärte der Konzern laut „China Fund News“, die teureren Zellen belasteten zwar kurzfristig das Ergebnis, bei der Qualität mache man aber keine Abstriche. Ganz nebenbei bleibt CATL mit zuletzt 39,4 Prozent Weltmarktanteil die unangefochtene Nummer eins.
Was heißt das für uns?
Für den deutschsprachigen Raum ist vor allem ein Vertragsdetail interessant: Die Partner wollen ausdrücklich gemeinsam nach Europa, in den Nahen Osten und nach Zentralasien expandieren. Das Timing passt: Ab Montag zeigt sich Aito auf dem Autosalon in Paris dem europäischen Messepublikum, und erst Ende September haben Huawei und Seres ihre Zusammenarbeit für fünf weitere Jahre festgezurrt. Auch die Batterieversorgung vor Ort wäre kein Problem: CATLs ungarisches Werk in Debrecen hat laut „China Fund News“ im September die Produktion aufgenommen, in Spanien entsteht gemeinsam mit Stellantis ein weiteres. Offiziell angekündigt ist ein Marktstart in Deutschland, Österreich oder der Schweiz zwar nicht. Aber wer Batteriekapazität auf Jahre hinaus plant und Europa explizit in den Vertrag schreibt, träumt nicht nur davon. Wir behalten das im Auge.
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