Chery-Chef entschuldigt sich: Diese Panne trifft den Export-König
Chinas größter Autoexporteur muss Demut zeigen: Konzernchef Yin Tongyue entschuldigt sich öffentlich. Der Auslöser wirft Fragen auf, auch im DACH-Raum.
Chinas größter Autoexporteur schlägt ungewohnt demütige Töne an. Auf der World Intelligent Connected Vehicles Conference in Peking hat Chery-Chef Yin Tongyue diese Woche öffentlich eingeräumt, dass es bei Fahrzeugen seines Konzerns in Malaysia Qualitätsprobleme gibt. Er habe den malaysischen Vize-Industrieminister getroffen und sich bei ihm entschuldigt, berichtete Yin auf offener Bühne. Chery übernehme umgehend Verantwortung gegenüber seinen Kunden.
Der Anlass ist ernst. Am 6. Oktober verlor ein Omoda 5 des Baujahrs 2023 im malaysischen Johor Bahru während der Fahrt die komplette Hinterachse samt Rädern. Verletzt wurde niemand, doch Aufnahmen des Vorfalls verbreiteten sich rasant in den sozialen Medien. Laut Chery ergab die Untersuchung: Schweißnähte an den Längslenkern der Hinterachse waren in der betroffenen Charge stellenweise zu schwach ausgeführt und können unter extremer Belastung reißen.
Zulassungsstopp und 8.878 Autos in der Werkstatt
Die malaysische Verkehrsbehörde JPJ griff durch. Am 11. Oktober entzog sie dem Omoda 5 vorläufig die Typgenehmigung, seither dürfen dort keine Neuwagen des Modells mehr zugelassen werden. Zudem ordnete die Behörde einen Rückruf an und durchleuchtet in einem Audit Produktion, Qualitätskontrolle, Schweißverfahren und den Achszulieferer. Chery Malaysia beordert 8.878 Fahrzeuge der Varianten C und H in die Werkstätten, kontrolliert die Bauteile und ersetzt sie bei Bedarf kostenlos.
Besonders unangenehm: Es ist bereits der zweite Fall dieser Art. Schon 2024 rief Chery in Malaysia 600 Omoda 5 zurück, nachdem ebenfalls eine Hinterachse abgerissen war. Damals machte der Hersteller falsch kalibrierte Schweißanlagen verantwortlich. Die betroffene Bauform mit Verbundlenker-Hinterachse wird inzwischen nicht mehr gebaut, der Nachfolger Chery O5 rollt in Malaysia seit September 2025 mit Mehrlenkerachse vom Band.
„Kein Hersteller schafft null Rückrufe“
Yin nutzte den Auftritt in Peking für eine bemerkenswert selbstkritische Botschaft an die gesamte Branche. Qualität sei die Eintrittskarte für den Schritt ins Ausland, kein Autohersteller der Welt schaffe null Rückrufe, entscheidend sei der ehrliche Umgang damit. Die Expansion nach Übersee dürfe kein schneller Beutezug sein, mahnte der Konzernpatriarch: Chery wolle in den Märkten „Wurzeln schlagen“ und sie langfristig pflegen. Die Branche rief er auf, im Ausland demütig und zurückhaltend aufzutreten.
Dass ausgerechnet der Chef des Export-Königs so spricht, ist kein Zufall. Chery verkauft seit Jahren mehr Autos im Ausland als jeder andere chinesische Hersteller und ist inzwischen auch an der Börse in Hongkong notiert. Der Omoda 5 gehört mit knapp einer halben Million verkauften Exemplaren in 60 Ländern zu den wichtigsten Säulen dieses Geschäfts. Ein viraler Achsbruch ist für diesen Anspruch pures Gift.
Was heißt das für Käufer bei uns?
Nach jetzigem Stand bleibt der Rückruf auf Malaysia beschränkt. Chery erklärt allerdings, vorsorglich baugleiche Fahrzeuge derselben Charge in China und weiteren Exportmärkten zu überprüfen. Hinweise auf betroffene Autos in Europa gibt es bislang nicht. Für den DACH-Raum zählt ohnehin die neue Generation: In Deutschland, wo Omoda & Jaecoo seit Anfang 2026 ein Netz mit rund 50 Händlern aufgebaut haben, steht der rundum erneuerte Omoda 5 erst in den Startlöchern, als Vollhybrid und erstmals auch als Elektroversion mit 61-kWh-Akku und 430 Kilometern WLTP-Reichweite. In Österreich vertreibt Importeur Colmobil die Doppelmarke seit November 2025, die Schweiz soll noch in diesem Quartal folgen.
Bleibt die Vertrauensfrage. Chery drängt gerade mit mehreren Marken nach Europa und zeigte in Paris mit dem Chery Q sein erstes E-Auto für den hiesigen Markt, stets flankiert vom Versprechen sieben Jahre langer Garantien. Genau deshalb trifft der Vorfall die Chinesen an ihrer empfindlichsten Stelle: beim Ruf. Die Verbeugung des Patriarchen ist kluge Schadensbegrenzung. Ob sie verfängt, entscheidet sich nicht auf Kongressbühnen in Peking, sondern in den Werkstätten von Johor Bahru.
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Verwendete Quellen
- Omoda & Jaecoo Deutschland: Der neue OMODA 5
- Sina Finance: Yin Tongyue entschuldigt sich bei Malaysia (Chinesisch)
- CnEVPost: Chery recalls 8,878 Omoda 5 in Malaysia (Englisch)
- Malay Mail: JPJ suspends Chery Omoda 5 approval (Englisch)
- CarNewsChina: Chery Chairman apologises after Omoda 5 axle failure (Englisch)
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