Neue Europa-Zahlen: BYD hängt jetzt eine US-Ikone ab

Die neuen Zulassungszahlen für Europa haben es in sich: Chinas Marken wachsen rasant, und eine Traditionsmarke muss sich geschlagen geben.

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Weißer BYD Atto 2 fährt auf einer von Bäumen gesäumten Straße
Der kompakte Atto 2 gehört zu den Modellen, die BYDs Wachstum in Europa tragen. | Bild: BYD

Der europäische Automarkt hat im September kräftig zugelegt: 1.363.210 Neuwagen kamen in der EU, der EFTA und Großbritannien auf die Straße, ein Plus von 10,2 Prozent. In der EU war dabei fast jeder dritte Neuwagen ein reines Elektroauto. Die eigentliche Nachricht steckt aber in der Markentabelle des Herstellerverbands ACEA: BYD hat Ford überholt. Und zwar nicht nur in einem einzelnen Monat, sondern erstmals auch in der Jahresbilanz.

49.953 Neuzulassungen verbuchte BYD im September in Europa, fast doppelt so viele wie vor einem Jahr (plus 98,7 Prozent). Ford kam auf 32.331 Fahrzeuge. Nach neun Monaten liegen die Chinesen auch kumuliert vorn: 283.997 Zulassungen seit Jahresbeginn stehen 277.269 bei Ford gegenüber. Eine Marke, die seit mehr als einem Jahrhundert in Europa verkauft, muss damit einen Hersteller ziehen lassen, der hier erst seit wenigen Jahren antritt.

Nicht nur BYD: Das ganze China-Lager legt zu

Auch hinter dem Spitzenreiter zeigt die ACEA-Statistik steile Kurven. Die wichtigsten China-Gruppen im September (EU, EFTA und Großbritannien, Veränderung zum Vorjahr):

  • Chery-Gruppe (mit Omoda, Jaecoo und Jetour): 52.801 Zulassungen, fast verdreifacht
  • BYD: 49.953 Zulassungen, plus 98,7 Prozent
  • SAIC (Mutterkonzern von MG): 41.987 Zulassungen, plus 23,7 Prozent
  • Leapmotor: 14.594 Zulassungen, mehr als vervierfacht

Zusammen stehen diese vier Konzerne für rund 160.000 Fahrzeuge, also mehr als jeden neunten Neuwagen in Europa. Die Geely-Gruppe wuchs ebenfalls um gut 33 Prozent, taucht in der ACEA-Statistik aber mitsamt Volvo und Polestar auf und lässt sich deshalb nicht sauber dem China-Lager zurechnen. Während die Herausforderer durchstarten, schwächelt ausgerechnet der Marktführer: Die Volkswagen-Gruppe verlor in der EU 4,1 Prozent, Tesla legte dort um 78,6 Prozent zu.

Was heißt das für Deutschland und Österreich?

Der Schub läuft auch bei uns über den Stecker. In Deutschland wurden im September 88.599 reine Elektroautos neu zugelassen, 94,7 Prozent mehr als vor einem Jahr: Mehr als jeder dritte Neuwagen fuhr damit vollelektrisch vom Hof. In Österreich stiegen die E-Auto-Zulassungen um 80,6 Prozent auf 9.723 Stück, der Gesamtmarkt wuchs um 12,5 Prozent. Wie kräftig Chinas Marken dabei mitmischen, haben wir bei den deutschen September-Zahlen des KBA und beim E-Auto-Rekord in Österreich bereits aufgeschlüsselt.

Bemerkenswert ist das Tempo vor allem deshalb, weil die EU-Sonderzölle auf Elektroautos aus China weiterhin gelten. Ein Teil des Wachstums läuft über Plug-in-Hybride, die von den Zusatzzöllen nicht erfasst werden, ein anderer über den Aufbau lokaler Fertigung, etwa bei Leapmotor im spanischen Zaragoza. Die ACEA-Zahlen sind vorläufig, der Trend ist es längst nicht mehr: Chinas Marken sind in Europas Zulassungsstatistik keine Randnotiz, sondern verschieben die Rangordnung. Dass es zuerst Ford trifft, dürfte in Köln niemanden freuen. Und in Wolfsburg auch niemanden beruhigen.

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