Wie chinesisch ist Deutschlands E-Auto-Boom? Neue Zahlen liefern die Antwort
Der E-Auto-Markt boomt wie nie, und Chinas Hersteller wachsen noch viel schneller. Eine neue Analyse zeigt, wie groß ihr Stück vom Kuchen schon ist.
Der deutsche E-Auto-Markt eilt dank Kaufprämie von Rekord zu Rekord, und mittendrin wachsen die Hersteller aus China schneller als alle anderen. Wie viel schneller, zeigt jetzt eine Analyse der Beratungsgesellschaft EY, über die die „Welt am Sonntag“ berichtet: Im dritten Quartal entfielen 12,1 Prozent aller neu zugelassenen Elektroautos in Deutschland auf Hersteller in chinesischem Besitz. Ein Jahr zuvor lag der Anteil noch bei 8,0 Prozent.
Rund 39.500 E-Autos chinesischer Hersteller kamen demnach zwischen Juli und September neu auf die Straße, ein Plus von 168 Prozent. Anders gesagt: Etwa jeder achte neue Stromer in Deutschland stammt inzwischen von einem Hersteller, hinter dem chinesisches Kapital steht.
Was zählt hier eigentlich als chinesisch?
EY sortiert nach Besitzverhältnissen. Gezählt werden also nicht nur genuin chinesische Marken wie BYD, Xpeng oder Leapmotor, sondern auch europäische Traditionsmarken, die inzwischen chinesischen Konzernen gehören: MG etwa ist seit Jahren Teil des Staatskonzerns SAIC, Volvo gehört mehrheitlich zu Geely, Smart teilen sich Geely und Mercedes. Welche Marke EY in welchen Topf wirft, schlüsselt der Bericht allerdings nicht auf.
Die Richtung ist trotzdem eindeutig: Die genuin chinesischen Marken haben ihre Zulassungen laut der Analyse binnen Jahresfrist etwa verdreifacht, die europäischen Marken unter chinesischem Konzerndach legten immerhin auf das Doppelte zu.
Die EY-Zahlen im Überblick:
- Marktanteil chinesischer Hersteller an den E-Zulassungen im dritten Quartal: 12,1 Prozent (Vorjahr: 8,0 Prozent)
- Neu zugelassene E-Autos chinesischer Hersteller: rund 39.500, plus 168 Prozent
- Genuin chinesische Marken: Zulassungen etwa verdreifacht
- Europäische Marken in chinesischem Besitz: etwa verdoppelt
- Volkswagen: rund 26.500 E-Zulassungen, plus 13 Prozent
VW bleibt vorn, verliert aber an Tempo
Ganz oben auf dem Treppchen steht weiterhin ein deutscher Hersteller: Volkswagen brachte laut EY rund 26.500 E-Autos neu auf die Straße, mehr als jede andere Marke. Nur: Das Plus von 13 Prozent wirkt gegen die Dynamik aus Fernost fast schon gemütlich. Wächst der Markt deutlich schneller als der Spitzenreiter, schrumpft dessen Anteil, allem Spitzenplatz zum Trotz.
Befeuert wird der Boom von der seit Mai geltenden Kaufprämie von bis zu 6.000 Euro. Und ausgerechnet die spült kräftig Geld in chinesische Kassen: Unter den meistgeförderten Modellen fährt mit dem Leapmotor T03 ein Kleinstwagen aus China in den Top 5 mit.
Und bei den Nachbarn?
Österreich zeigt dasselbe Muster: Dort feierten die E-Autos im September einen Zulassungsrekord, und auch dort wuchsen Chinas Marken deutlich schneller als der Gesamtmarkt. Der Trend ist also kein deutsches Phänomen, sondern läuft im ganzen deutschsprachigen Raum in dieselbe Richtung.
Spannend wird, wie lange die Kurve so steil bleibt. In Brüssel wird gerade am Nachfolger der Sonderzölle gebastelt, Mindestpreise statt Strafaufschläge lautet der Plan. Fallen die Zölle tatsächlich, entsteht bei den Europapreisen der Chinesen zusätzlicher Spielraum nach unten. Für die deutschen Hersteller wäre das die nächste unbequeme Nachricht.
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Verwendete Quellen
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