Chinas E-Auto-Markt schwächelt: Das spüren wir bis nach Europa

Chinas E-Auto-Käufer halten sich ausgerechnet in der Hochsaison zurück. Was die Hersteller daheim nicht loswerden, drängt nun mit Macht nach Europa.

Teilen
Ein BYD Dolphin fährt über eine Brücke vor einer Großstadt-Skyline
Chinesische Stromer wie der BYD Dolphin sind immer öfter auf Europas Straßen unterwegs: Der schwache Heimmarkt verstärkt den Export-Schub. | Bild: BYD

„Goldener September, silberner Oktober“: So nennen die Chinesen die Wochen, in denen das Autogeschäft traditionell brummt. Davon ist in diesem Jahr wenig übrig. Zwischen dem 1. und dem 25. Oktober wurden in China 753.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride (in China kurz: NEV) an Kunden ausgeliefert, 13 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das zeigen neue Zahlen des Branchenverbands CPCA.

Ein Ausrutscher ist das nicht. Bereits im September schrumpfte der NEV-Absatz um 16,7 Prozent, es war der neunte Rückgang in Folge. Für den gesamten Oktober erwartet der Verband rund 1,07 Millionen verkaufte Stromer: Das wäre Minus Nummer zehn. Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 13 Prozent auf 8,51 Millionen Fahrzeuge zu Buche.

Rekordanteil am schrumpfenden Kuchen

Kurios daran: Am Vormarsch der Stromer liegt es nicht. Ihr Anteil am chinesischen Neuwagengeschäft erreichte im September mit 67 Prozent einen Rekordwert. Nur schrumpft der Kuchen insgesamt noch schneller, der gesamte Pkw-Markt verlor in den ersten 25 Oktober-Tagen satte 26 Prozent. Als Gründe nennt der Verband schwache Einkommenserwartungen und Käufer, die lieber abwarten. Dazu kommt eine hohe Vergleichsbasis, denn 2025 befeuerten großzügige Subventionen das Geschäft.

Und der Staat dreht den Geldhahn weiter zu. Seit Januar wird auf E-Autos wieder eine Kaufsteuer von 5 Prozent fällig, nach Jahren der kompletten Befreiung; der Nachlass ist zudem auf 15.000 Yuan (rund 1.800 Euro) gedeckelt. Wer konnte, zog seinen Kauf deshalb ins Jahresende 2025 vor. Diese Rechnung wird jetzt fällig.

Die Fabriken laufen trotzdem weiter

Während der Verkauf an Endkunden sinkt, meldeten die Hersteller im gleichen Zeitraum 3 Prozent mehr ausgelieferte Fahrzeuge an den Handel. Die Lücke landet auf Halde: Ende September stapelten sich bei den reinen E-Auto-Herstellern 880.000 unverkaufte Fahrzeuge. Und sie landet auf dem Schiff: Im September gingen laut Herstellerverband CAAM 571.000 Stromer in den Export, 160 Prozent mehr als vor einem Jahr. In den ersten neun Monaten hat China damit rund vier Millionen NEVs ausgeführt, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Der CPCA erwartet sogar noch einen Schlussspurt, weil Peking die Steuererstattung für Exporte anpassen will und die Hersteller deshalb Lieferungen ins vierte Quartal vorziehen dürften.

Was heißt das für uns?

Das Überangebot sucht sich ein Ventil, und das zeigt nach Europa. Wie groß der Anteil chinesischer Marken am deutschen E-Auto-Boom inzwischen ist, haben wir kürzlich analysiert; in Europa hat BYD zuletzt sogar Ford hinter sich gelassen. Der Druck aus der Heimat dürfte diesen Trend verschärfen: mehr Marken, mehr Modelle und Importeure, die liefern müssen, weil daheim zu wenige kaufen. Für Käufer in Deutschland und Österreich sind das gute Nachrichten, denn wo Überkapazität auf Absatzdruck trifft, wird gerne über den Preis verkauft. Für die etablierten Hersteller gilt das Gegenteil: Der Verdrängungswettbewerb, der in China kaum noch Spielraum lässt, kommt mit jedem Frachter ein Stück näher.

Das könnte dich auch interessieren:

Wie chinesisch ist Deutschlands E-Auto-Boom? Neue Zahlen liefern die Antwort
Eine neue Analyse zeigt, welchen Anteil chinesische Marken am deutschen E-Auto-Wachstum haben.

Erstellt mit KI-Unterstützung nach unseren Redaktionsrichtlinien.