Xiaomi kauft sich bei einem Batteriebauer ein: Dahinter steckt System

Xiaomi bindet sich mit einem Millionen-Investment an einen Batteriebauer und folgt damit einem Rivalen. Der Schritt verrät einiges über den Europa-Plan.

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Ein grüner und ein grauer Xiaomi YU7 stehen vor einer Berg- und Seenlandschaft
Zwei Xiaomi YU7 vor Bergkulisse: Für seine E-Autos sichert sich der Konzern jetzt direkten Zugriff auf einen Batteriehersteller. | Bild: Xiaomi

Xiaomi nimmt wieder richtig Geld in die Hand: Der Technologiekonzern investiert 1,7 Milliarden Yuan (rund 230 Millionen Euro) in Sunwoda Power, die E-Auto-Batteriesparte des chinesischen Zellherstellers Sunwoda. Nach der Kapitalerhöhung hält Xiaomi 5,34 Prozent an der Firma und steigt damit zum drittgrößten Anteilseigner auf. Das geht aus einer Börsenmitteilung vom Donnerstagabend hervor. Abgewickelt wird der Einstieg über die Xiaomi-Tochter Hanxing Venture Capital, die Zustimmung der Sunwoda-Aktionäre steht noch aus.

Li Auto hat es vorgemacht

Das Muster kommt bekannt vor: Erst Anfang September steckte Li Auto 2,65 Milliarden Yuan (rund 355 Millionen Euro) in dieselbe Firma. Durch Xiaomis Einstieg verwässert dessen Anteil zwar leicht auf 8,32 Prozent, Li Auto bleibt aber zweitgrößter Anteilseigner. Die Muttergesellschaft Sunwoda rutscht auf 22,78 Prozent ab. Sie bleibt größte Eignerin, gibt jedoch die Kontrolle ab: Im neu zu besetzenden Verwaltungsrat stellt sie höchstens die Hälfte der Sitze, und die Batteriesparte verschwindet aus der Konzernbilanz. Am selben Abend begrub Sunwoda außerdem seine Pläne für einen Börsengang in Hongkong.

Warum klopfen alle beim Nischenplayer an?

Sunwoda ist auf Chinas Batteriemarkt nur die Nummer sechs, im September lag der Marktanteil bei gerade einmal 3,74 Prozent. Genau darin liegt für die Autobauer der Reiz: Wer bei einem kleineren Zulieferer einsteigt, bekommt Mitsprache, Priorität in der Lieferkette und dürfte nebenbei seine Verhandlungsposition gegenüber dem übermächtigen Marktführer CATL verbessern. Für Sunwoda wiederum kommt das frische Geld zur rechten Zeit: Die Batteriesparte fuhr im ersten Halbjahr bei 15,5 Milliarden Yuan Umsatz einen Verlust von 324 Millionen Yuan (rund 44 Millionen Euro) ein.

Dazu kommt: Xiaomi und Sunwoda sind längst ein eingespieltes Team. Anfang September stellte der Konzern seine Longjia-Batterie vor (übersetzt etwa „Drachenpanzer“), gemeinsam entwickelt mit Sunwoda und dem Zellhersteller CALB. Sie steckt in den neuen Sky-Nomad-SUV und kommt mit einem Versprechen, das aufhorchen ließ: Bei Bränden durch Defekte der Originalbatterie verspricht Xiaomi lebenslange Entschädigung, an Bedingungen geknüpft.

Was heißt das für uns?

Für den deutschsprachigen Raum ist der Deal mehr als eine Fußnote. Xiaomi hat den Europastart für 2027 bestätigt, und Deutschland spielt dabei die Hauptrolle: Im September unterschrieb der Konzern auf der IFA in Berlin Absichtserklärungen mit acht deutschen Händlergruppen, darunter Schwergewichte wie Emil Frey. Wer hierzulande und in Österreich mit kampfstarken Preisen antreten will, braucht die Batteriekosten langfristig im Griff. Mit eigenen Anteilen am Zulieferer sichert sich Xiaomi genau diese Kontrolle, während die europäische Konkurrenz ihre Zellen überwiegend teuer zukaufen muss. Die kurze Botschaft hinter dem Einstieg: Xiaomi plant in Europa keinen Schnellschuss, sondern baut an einer Kostenstruktur, die auch einen längeren Preiskampf übersteht.

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