GWM-Quartalszahlen: Das Ausland boomt, aber zu welchem Preis?
Nach BYD und Geely öffnet auch GWM die Bücher: Der Blick hinein verrät, warum der Konzern sein Glück immer dringender außerhalb Chinas sucht.
Nach BYD und Geely hat nun auch Great Wall Motor (GWM) seine Bilanz für das dritte Quartal vorgelegt. Der Konzern hinter den Marken Haval, Tank, Wey und Ora verkauft immer mehr Autos im Ausland, verdient dabei aber deutlich weniger: Der Nettogewinn brach im dritten Quartal um knapp 41 Prozent auf rund 1,36 Milliarden Yuan ein, umgerechnet etwa 180 Millionen Euro.
Mehr als jedes zweite Auto geht ins Ausland
Der Quartalsumsatz sank um 5,7 Prozent auf 57,8 Milliarden Yuan (rund 7,8 Milliarden Euro). Nach neun Monaten steht unter dem Strich ein Gewinn von 3,83 Milliarden Yuan (rund 515 Millionen Euro), ein Minus von 55,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und das, obwohl der Umsatz seit Jahresbeginn sogar leicht zulegte.
Beim Absatz zeigt sich, wo der Hund begraben liegt. Von Januar bis September lieferte GWM 920.300 Fahrzeuge aus, praktisch gleich viele wie im Vorjahr. 476.000 davon gingen ins Ausland, ein Plus von gut 42 Prozent: Mehr als die Hälfte aller GWM-Neuwagen findet ihre Käufer inzwischen außerhalb Chinas. Die Kehrseite: Auf dem Heimatmarkt brachen die Verkäufe um rund ein Viertel ein.
Als Gründe für den Gewinneinbruch nennt der Konzern den Druck im chinesischen Markt, verzögerte Steuererstattungen im Exportgeschäft und ungünstige Wechselkurse. Dazu kommt ein Warnsignal in der Bilanz: Der Lagerbestand wuchs seit Jahresbeginn von 26 auf 40 Milliarden Yuan an.
Ausgerechnet die E-Marke Ora verdoppelt sich
Ein Blick auf die einzelnen Marken nach neun Monaten:
- Haval: 515.100 Fahrzeuge (minus 2,5 Prozent)
- Tank: 142.800 Fahrzeuge (minus 13,5 Prozent)
- Wey: 66.600 Fahrzeuge (plus 4,7 Prozent)
- Ora: rund 59.000 Fahrzeuge (plus 100 Prozent)
Kurios dabei: Obwohl sich die reine Elektromarke Ora verdoppelt hat, schrumpfte der Absatz von Autos mit Stecker insgesamt. 262.000 New Energy Vehicles bedeuten ein Minus von knapp 6 Prozent. Das Gros des Geschäfts machen bei GWM also weiterhin Verbrenner-SUV und Pick-ups aus, die Elektro-Wende des Konzerns kommt nur langsam voran.
Was heißt das für das Europa-Comeback?
Für uns ist vor allem spannend, was die Zahlen über GWMs Rückkehrpläne verraten. Firmenchef Wei Jianjun tourte im September durch Italien, Deutschland, Belgien und Spanien, und Ende Oktober bestätigte Technikchef Wu Huixiao den Umbau eines Werks in Bulgarien: Ab dem ersten Quartal 2027 soll dort der Ora 5 vom Band laufen, mit einer Kapazität von 50.000 E-Autos pro Jahr.
Dass sich ausgerechnet Ora in China verdoppelt hat, dürfte diesen Plänen Rückenwind geben. Die Marke soll auch in Deutschland und Österreich wieder antreten, nachdem GWM seine Europa-Zentrale in Frankfurt 2024 geschlossen hatte. Die Quartalszahlen machen aber auch klar, wie sehr der Konzern auf das Auslandsgeschäft angewiesen ist: Der Heimatmarkt trägt immer weniger, Wachstum gibt es fast nur noch im Export. Das Europa-Comeback ist für GWM damit kein nettes Extra mehr, sondern schlicht Notwendigkeit. Ob der zweite Anlauf bei uns besser läuft als der erste, zeigt sich ab 2027.
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