Ora 5 aus Bulgarien: GWMs Europa-Comeback hat ein Déjà-vu
Great Wall baut künftig in Europa, und der gewählte Ort hat Geschichte. Für den elektrischen Ora 5 in Deutschland könnte der Schritt einiges ändern.
Great Wall Motor baut erstmals in Europa: Ab dem ersten Quartal 2027 soll das Kompakt-SUV Ora 5 in Bulgarien vom Band laufen, wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet. Angekündigt hat der Konzern sein erstes europäisches Produktionsstandbein an seinem Tech Day in Mailand. Den Anfang soll die Elektroversion machen, später will GWM weitere Antriebe und Modelle nachschieben.
Rückkehr an einen Ort mit Vorgeschichte
Partner ist das Unternehmen Bulgaria Automotive Industry, das ein Werk in Bahovitsa bei Lowetsch betreibt. Geplant sind bis zu 50.000 Fahrzeuge pro Jahr, zunächst als sogenannte SKD-Montage: Teilmontierte Bausätze kommen aus China, fertiggebaut wird vor Ort. Einzelne Teile sollen von Beginn an aus der Region stammen, über die finanziellen Details schweigen beide Seiten.
Pikant: Bahovitsa ist für die Chinesen kein Neuland. Schon vor gut einem Jahrzehnt ließ Great Wall dort mit einem lokalen Partner Autos für Europa montieren, auch damals war von mehr als 50.000 Fahrzeugen pro Jahr die Rede. Erreicht wurde die Marke nie, 2016 war Schluss. Diesmal soll es anders laufen, und der Grund dafür steht in Brüssel: GWMs Elektroautos aus China zahlen beim EU-Import 20,7 Prozent Anti-Subventions-Zoll, dazu kommen zehn Prozent regulärer Einfuhrzoll. Wer in der EU baut, spart sich beides. Technikchefin Wu Huixiao formulierte es in Mailand so: GWM wolle nicht nur Autos nach Europa verkaufen, sondern „Teil Europas werden“.
Von 3.500 auf 60.000 Autos?
Die Ambitionen sind gewaltig, die Ausgangslage ist es nicht. 2025 verkaufte GWM in Europa nur noch rund 3.500 Autos, fast 30 Prozent weniger als im Vorjahr, während BYD, Chery und Leapmotor rasant zulegten. 2024 hatte der Konzern seine Europazentrale in München mit rund 100 Beschäftigten dichtgemacht und das Geschäft fortan aus China gesteuert; das Entwicklungszentrum in der Stadt blieb bestehen.
Jetzt die Kehrtwende: Schon 2027 will GWM 60.000 Autos in Europa verkaufen, das wäre gut das Siebzehnfache des aktuellen Niveaus. Bis 2030 sollen drei bis fünf Prozent Marktanteil her, binnen zwei Jahren mindestens zehn neue Modelle und Ableger. Ob eine SKD-Montage mit 50.000 Einheiten Jahreskapazität dafür reicht, darf man fragen. Immerhin: Langfristig sprach GWM gegenüber „Reuters“ bereits von 300.000 in Europa gebauten Autos bis 2029.
Was heißt das für den Ora 5 bei uns?
In Deutschland ist der Ora 5 seit August auf dem Markt, Importeur ist die Emil-Frey-Tochter O! Automobile. Das Angebot bisher:
- Benziner, 118 kW (160 PS): ab 26.990 Euro
- Vollhybrid, 164 kW (223 PS) Systemleistung: ab 28.990 Euro
- Elektroversion, 150 kW (204 PS), 58-kWh-Akku: ab Anfang 2027, Preis offen
- Plug-in-Hybrid: ebenfalls ab Anfang 2027, Preis offen
Das Timing fällt auf: Die Elektroversion für Deutschland kommt genau dann, wenn in Bulgarien die Produktion anläuft. Stammt der Stromer dann aus der EU statt aus China, entfallen die Sonderzölle, und das gäbe Spielraum beim Preis. Offiziell bestätigt ist diese Route allerdings noch nicht. Für Österreich und die Schweiz gibt es bislang keine konkreten Ankündigungen, der Neustart läuft vorerst über Märkte wie Deutschland, Italien und Spanien. Gehen die Pläne auf, dürfte sich das ändern. Wie ernst es GWM mit frischen Modellen meint, zeigte zuletzt der neue Ora Good Cat für China.
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Verwendete Quellen
- GWM-Pressemitteilung: Der neue ORA 5
- Reuters via Marketscreener: Chinas Great Wall Motor will kompaktes SUV Ora 5 in Bulgarien bauen
- Il Sole 24 Ore: Chinese in Europe, GWM to produce cars in Bulgaria (Englisch)
- ifeng: 长城汽车保加利亚建厂:欧拉5 2027年一季度投产 (Chinesisch)
- CEIAS: China's automotive Blitz strategy in Bulgaria (Englisch)
- firmenauto: GWM-Europazentrale: Für Kunden ändert sich nichts
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