Feststoffbatterie: Dieser Serienstart in China gelingt mit einem Trick
Ein GAC-Ableger nimmt die laut Verband weltweit erste zertifizierte Serienlinie für Feststoffzellen in Betrieb. Der Weg dorthin ist ein cleverer Umweg.
Jahrelang galt die Feststoffbatterie als ewiges Versprechen: immer kurz vor dem Durchbruch, nie in der Fabrik. Jetzt meldet ein chinesischer Hersteller den Vollzug. Greater Bay Technology (GBT), ein aus dem GAC-Konzern hervorgegangener Batteriespezialist, hat am Dienstag in Guangzhou die Serienfertigung von Feststoffzellen aufgenommen. Und zwar, wenn man dem chinesischen Batterieverband glaubt, als weltweit Erster mit dem Zertifikat eines unabhängigen Prüfinstituts.
Keine neue Fabrik, sondern ein neuer Kern
Der eigentliche Clou steckt in der Fertigung selbst. GBT hat keine neue Anlage gebaut, sondern am Stammsitz im Guangzhouer Stadtbezirk Nansha eine bestehende Linie für Lithium-Ionen-Zellen umgerüstet. „Das ist keine von Grund auf neue Linie, es ist eine bestehende Linie mit neuem Kern“, zitiert das Fachportal „electrive“ Mitgründer und Technikchef Huang Xiangdong. Möglich macht das die Technik: GBT setzt auf einen Komposit-Elektrolyten, der wie bei herkömmlichen Zellen flüssig eingefüllt wird und erst in der Zelle aushärtet. Fast alle Fertigungsschritte laufen damit auf konventionellem Equipment, nur die Befüllung passiert in trockener, sauerstofffreier Umgebung.
Das drückt die Investitionskosten, also genau den Punkt, an dem Feststoff-Projekte weltweit bislang hängen. Die Linie schafft zunächst 1 GWh pro Jahr, kann je nach Nachfrage zwischen Lithium-Ionen- und Feststoffzellen wechseln und ließe sich im Werk auf 4 GWh ausbauen. Dass GBT schnell industrialisieren kann, hat die 2020 gegründete GAC-Tochter übrigens schon einmal bewiesen: Ihre extrem schnellladenden XFC-Batterien laufen seit 2021 in Serie.
Was die Zellen können sollen
- Energiedichte: 260 bis 480 Wh/kg je nach Zellgeneration (Herstellerangabe)
- Sicherheit: Nageltest an voll geladener Zelle ohne Brand und Explosion
- Norm: geprüft nach Chinas neuem Feststoff-Standard GB/T 48093.1
- Tempo: vom A-Muster im April bis zur Serienfertigung im Oktober
Der neue Standard soll echte Feststoffzellen von den „Semi-Solid“-Zwischenlösungen trennen, die in China längst verkauft werden. Pikant: Verbindlich wird die Norm erst 2028, GBT prescht also freiwillig vor. Dong Yang, Chef des chinesischen Batterie-Innovationsverbands, adelt den Schritt trotzdem: Nach seiner Kenntnis sei dies weltweit die erste Feststoffzelle, die von einer unabhängigen Stelle zertifiziert in Serie vom Band läuft. Zur Einordnung gehört aber auch: Die meisten Leistungsdaten stammen vom Hersteller selbst, und zur Lebensdauer gibt es bislang nur die Aussage, sie sei mit herkömmlichen Zellen vergleichbar.
Wann fährt das erste Auto damit?
Hier ist Geduld gefragt. Einen Serien-Pkw mit GBT-Feststoffzellen gibt es noch nicht. Erste Abnehmer dürften E-Motorräder, Flugtaxis und stationäre Speicher sein; mit mehreren Autoherstellern laufen nach Firmenangaben fortgeschrittene Gespräche, Muster sind bei Kunden im Test. Peking hat den groben Fahrplan ohnehin vorgegeben: Bis 2030 sollen Feststoffbatterien erstmals im großen Stil zum Einsatz kommen, wie wir im Beitrag zum staatlichen Feststoff-Masterplan berichtet haben.
Was heißt das für uns?
Für Deutschland und Österreich ist die Meldung ein doppeltes Signal. Erstens zeigt sie das Tempo, mit dem China den nächsten Technologiesprung industrialisiert, während hierzulande noch über Pilotlinien diskutiert wird. Zweitens gibt es bereits eine Brücke nach Europa: GBT arbeitet nach eigenen Angaben mit dem Nutzfahrzeug-Startup Flynt zusammen und bietet seine Technik auch über Lizenzen und Joint Ventures an. Kommen die Superzellen also durch die Hintertür schneller zu uns als gedacht? Ausgeschlossen ist es nicht. Sicher ist vorerst nur: Der Wettlauf um die Batterie der nächsten Generation wird gerade nicht in Europa entschieden.
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Verwendete Quellen
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