Premiere in China: NIO lässt BMW, Mercedes und Audi hinter sich
In China verschieben sich die Kräfte: Neue Verkaufszahlen zeigen, wie eng es für die deutschen Premiummarken geworden ist. Und wer davon profitiert.
In Chinas Automarkt ist passiert, was vor wenigen Jahren noch undenkbar schien: NIO hat im dritten Quartal nach eigenen Angaben erstmals mehr Autos an die Kundschaft gebracht als BMW, Mercedes und Audi. Verkündet hat das NIO-Mitgründer und Präsident Qin Lihong am Samstag unter Verweis auf Daten des Marktforschers Wilson, die die Verkäufe an Endkunden erfassen.
So knapp ist das Rennen wirklich
Nach diesen Zahlen kommt die NIO-Gruppe zwischen Juli und September in China auf 111.638 verkaufte Fahrzeuge. Die drei deutschen Hersteller liegen allesamt dahinter:
- NIO (inkl. Onvo und Firefly): 111.638 Fahrzeuge
- BMW (inkl. Mini): 107.210 Fahrzeuge
- Mercedes-Benz (inkl. Maybach und Smart): 99.592 Fahrzeuge
- Audi: 94.597 Fahrzeuge
Regional ist der Vorsprung teils noch deutlicher: In 8 Provinzen und 40 Städten verkaufte NIO im Quartal mehr Autos als jede der drei deutschen Marken. In 12 Provinzen und 94 Städten lag der Konzern vor mindestens einem der drei Rivalen.
Drei Marken gegen drei Konzernfamilien
Ganz ohne Fußnote kommt die Premiere allerdings nicht aus. Die NIO-Gruppe umfasst drei Marken: die Premiummarke NIO, die Familienmarke Onvo und die Kleinwagenmarke Firefly. Ein Teil des Volumens spielt also in günstigeren Segmenten, in denen BMW und Co. gar nicht antreten. Dagegen hält Qin, dass der durchschnittliche Verkaufspreis der Kernmarke NIO weiter über 400.000 Yuan liegt (umgerechnet gut 53.000 Euro). Zudem vergleicht die Statistik Hersteller mit Hersteller: Bei BMW zählt Mini mit, bei Mercedes rechnen die Marktforscher Maybach und Smart ein.
Der Lauf der Chinesen ist ohnehin unübersehbar: Von Januar bis September lieferte NIO 300.301 Fahrzeuge aus, ein Plus von 49,2 Prozent zum Vorjahr. Der Aufstieg fällt in eine Phase, in der Verbrenner in China rasant an Boden verlieren. Qin verwies auf Daten des Branchenverbands CPCA, wonach die Verkäufe von Verbrennern im Luxussegment im September um 41 Prozent einbrachen. Selbst Qin räumt aber ein: „Dieser Weg nach oben ist nicht einfach.“
Was heißt das für uns?
Für BMW, Mercedes und Audi ist China der wichtigste Einzelmarkt, und genau dort schmilzt ihre Position nun in hohem Tempo. Je stärker die Erlöse aus Fernost unter Druck geraten, desto härter wird der Sparkurs, den die Konzerne auch zu Hause fahren müssen. Das trifft Deutschland und Österreich gleich doppelt: als Heimat der Hersteller und als Standort vieler Zulieferer. Zugleich zeigt das Quartal, wohin die Reise im Premiumsegment geht: Der Wettbewerber von morgen heißt immer seltener Lexus oder Cadillac, sondern NIO, Aito oder Zeekr. NIO selbst ist mit seinen Modellen auch in Deutschland vertreten. Ob der Triumph im Heimatmarkt dem Europa-Geschäft neuen Schub verleiht, bleibt die spannende Frage der nächsten Monate.
Eine Portion Vorsicht gehört trotzdem dazu: Die Wilson-Daten verbreitet NIO selbst, eine Einordnung der deutschen Hersteller steht bislang aus. Und ein starkes Quartal ist noch keine Wachablösung. Ob die Chinesen das Tempo halten, dürfte sich schon im vierten Quartal zeigen, wenn traditionell die Rabattschlachten zum Jahresende toben.
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Verwendete Quellen
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