VWs Wette auf Xpeng: Dieser Plan geht bisher nicht auf
Mit Xpengs Technik wollte VW sein China-Geschäft drehen. Erste Verkaufszahlen zeigen: Der Plan geht nicht auf. Und Modell Nummer zwei steht schon bereit.
Vor gut drei Jahren holte sich Volkswagen den chinesischen E-Auto-Hersteller Xpeng ins Boot, um das schwächelnde China-Geschäft zu drehen: rund 700 Millionen Dollar für etwa fünf Prozent der Anteile, dazu gemeinsam entwickelte Modelle. Jetzt liegen die ersten Verkaufszahlen des Erstlings vor, und sie haben es in sich. Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ unter Berufung auf Insider und Daten des Analysehauses ThinkerCar berichtet, verfehlt das SUV ID. UNYX 08 die internen Ziele um Längen.
Ein Bruchteil des eigenen Plans
Seit dem Marktstart im April verkaufte VW vom UNYX 08 demnach im Schnitt 267 Exemplare pro Monat. Eingeplant waren für dieses Jahr 3.622 Stück monatlich, erreicht wurden also gut 7 Prozent des Ziels. Der Blick auf die Konkurrenz macht es nicht besser: Während der UNYX 08 von April bis August auf rund 1.300 Verkäufe kam, setzte Xiaomi vom YU7 im selben Zeitraum fast 57.000 Stück ab, Zeekr vom 7X über 21.000. Intern hat VW die Jahresprognose laut dem Bericht bereits um mehr als 60 Prozent auf 12.300 Fahrzeuge gekappt.
Woran es hakt
Die Gründe klingen erstaunlich banal. Erstens der Vertrieb: Das SUV läuft über das junge Händlernetz von Volkswagen Anhui mit gerade einmal 166 Standorten; die mehr als 3.000 Händler der Partner FAW und SAIC bleiben bislang außen vor. Viele Chinesen wissen laut den Insidern schlicht nicht, dass es das Auto überhaupt gibt. Künftig soll der Wagen deshalb auch bei FAW-Händlern stehen. Zweitens der Preis: Zum Start kostete das SUV 229.900 Yuan (knapp 29.000 Euro), inzwischen wirbt VW mit 17 Prozent Rabatt, weil Rivalen fürs gleiche Geld mehr Technik bieten. Gartner-Analyst Pedro Pacheco bringt es gegenüber „Reuters“ auf den Punkt: Chinesische Kunden fragten sich, warum sie ein teures deutsches Auto kaufen sollten, wenn sie vergleichbare Technik deutlich günstiger bekommen.
Dabei steht für Wolfsburg enorm viel auf dem Spiel. 2019 war jeder fünfte in China verkaufte Pkw ein VW, in den ersten acht Monaten 2026 lag der Marktanteil laut dem Branchenverband CPCA noch bei 10 Prozent. Im ersten Halbjahr sanken die China-Verkäufe um gut ein Viertel auf 973.000 Fahrzeuge, bei den reinen Stromern ging es um fast die Hälfte auf 30.900 Stück nach unten. Und einst steuerte China fast die Hälfte des Konzerngewinns bei, heute sind es noch rund 10 Prozent.
Am Samstag folgt der nächste Anlauf
Aufgeben gilt nicht: Am 24. Oktober bringt VW mit dem ID. UNYX 09 bereits das zweite gemeinsam mit Xpeng entwickelte Modell in den chinesischen Handel, wie das Portal „CnEVPost“ berichtet. Die Limousine soll vor allem mit Software punkten:
- 5,08 Meter lange Elektro-Limousine im Fastback-Stil
- Heckantrieb mit 230 kW (313 PS) oder Allrad mit zwei Motoren (140 und 230 kW)
- bis zu 755 Kilometer Reichweite nach chinesischer CLTC-Norm (deutlich optimistischer als WLTP)
- 92-kWh-LFP-Batterie von CATL
- Fahrassistenz mit Xpengs Turing-Chip (750 TOPS Rechenleistung)
- Vorverkaufspreise: 199.900 bis 249.900 Yuan (rund 25.000 bis 31.000 Euro)
Was heißt das für uns?
Die UNYX-Modelle baut VW allein für China; zum UNYX 08 stellt der Konzern ausdrücklich klar, dass er in Deutschland nicht angeboten wird. Trotzdem geht uns die Geschichte etwas an, denn am China-Geschäft hängt ein ordentlicher Teil des Konzerngewinns, der auch die teure Transformation daheim mitbezahlen muss. Bemerkenswert ist zudem die Pointe für Xpeng: Die Technik der Chinesen ist offenbar so gut, dass Volkswagen dafür bezahlt. Es hakt bislang an Marke, Preis und Vertrieb. Bei uns tritt Xpeng derweil selbstbewusst auf: Erst in dieser Woche haben die Chinesen die ersten L03 in Europa ausgeliefert, das große SUV G9L läuft bei Magna in Graz vom Band.
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Verwendete Quellen
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