Audi gegen AUDI: Grauimporte aus China haben ein Nachspiel
In Hamburg und Frankfurt tauchen Elektro-Audis auf, die es hier offiziell gar nicht gibt: China-Modelle ohne die vier Ringe, importiert auf eigene Faust. Jetzt schaltet Ingolstadt die Anwälte ein. Und für Käufer wird die Sache richtig ungemütlich.
In Hamburg und Frankfurt sind zuletzt Elektroautos mit dem Schriftzug AUDI aufgetaucht, die es in Deutschland offiziell gar nicht zu kaufen gibt. Ein Importeur hatte die China-Modelle E5 Sportback und E7X auf eigene Faust ins Land geholt. Jetzt reagiert Ingolstadt, und zwar mit Anwälten.
Der Reihe nach: Hinter dem Namen AUDI, bewusst in Großbuchstaben und ohne die vier Ringe, steckt die Gemeinschaftsmarke von Audi und seinem chinesischen Partner SAIC. Deren Modelle sind ausschließlich für China gedacht. Der Importeur Auto China bot den E5 Sportback hierzulande trotzdem ab 59.980 Euro an, das große SUV E7X ab 72.900 Euro, wie „electrive“ unter Berufung auf die „Automobilwoche" berichtet. Einige Fahrzeuge wurden demnach bereits verkauft und in Hamburg und Frankfurt gesichtet.
Ein Auto, zwei Preise
Der Blick nach China zeigt, warum sich das Geschäft lohnen könnte: Dort startet der E5 Sportback bei 235.900 Yuan, umgerechnet rund 30.700 Euro. Selbst das Topmodell kostet mit 319.900 Yuan (etwa 41.600 Euro) deutlich weniger, als der Grauimporteur in Deutschland verlangte. Beim Marktstart im September 2025 sammelte das Elektro-Fastback nach Herstellerangaben über 10.000 Bestellungen in 30 Minuten ein.
Audi will das Treiben nicht dulden: Man habe gegenüber dem Importeur rechtliche Schritte eingeleitet und werde die eigenen Rechte konsequent durchsetzen, zitiert die „Automobilwoche“ einen Sprecher. Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten. Beide Modelle sind inzwischen kommentarlos von der Website des Importeurs verschwunden.
Warum die Schnäppchen keine sind
So verlockend ein halbierter China-Preis klingt: Für Käufer hierzulande hat die Sache gleich mehrere Haken.
- Laden: Die China-Modelle nutzen den dortigen GB/T-Standard. An europäischen CCS-Säulen geht ohne Adapter nichts, und auch dann nur mit reduzierter Ladeleistung.
- Zulassung: Statt einer EU-Typgenehmigung braucht es eine Einzelabnahme.
- Garantie: Laut Berichten stehen beim Grauimport zwei Jahre oder 80.000 Kilometer gegen acht Jahre Batteriegarantie beim offiziellen Audi-Kauf.
- Software: Das System ist auf China zugeschnitten, Updates sind ungewiss.
Und es kann noch dicker kommen: Wie „China-Gadgets“ berichtet, droht bereits ausgelieferten Fahrzeugen im Extremfall sogar die Stilllegung. Volkswagen hat vorgemacht, wie ernst der Konzern das Thema nimmt, und ließ Grauimporte des in China gebauten ID.6 gerichtlich stoppen.
Was die Episode über den Markt verrät
Zweierlei lässt sich aus dem Fall lernen. Erstens: Die Nachfrage nach China-Stromern ist offenbar da, selbst zum doppelten China-Preis fanden die ringlosen Audis Käufer. Zweitens: Solange Audi seine China-Modelle nicht offiziell nach Europa bringt, bleibt genau die Lücke offen, in die Grauimporteure stoßen. Den offiziellen Weg gehen derweil andere: Chinas Hersteller expandieren gerade mit Macht nach Europa, ganz regulär mit CCS-Anschluss, EU-Typgenehmigung und voller Garantie.