Gebrauchte China-Stromer: Die neue Lücke in der EU-Zollmauer

An den Sonderzöllen vorbei kommen immer mehr China-Stromer aus zweiter Hand nach Europa. Wie das Schlupfloch funktioniert und wo der Haken liegt.

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Blauer Xiaomi SU7 in Seitenansicht vor hellem Himmel
Gefragt aus zweiter Hand: Modelle wie der Xiaomi SU7 stehen beim Gebrauchtexport hoch im Kurs | Bild: Xiaomi

Die EU-Sonderzölle sollten den Vormarsch chinesischer Elektroautos bremsen. Doch der Markt sucht sich seinen Weg: Immer mehr China-Stromer kommen aus zweiter Hand nach Europa, ganz legal an den Zöllen vorbei. Der auf China-Importe spezialisierte Händler China EV Marketplace (CEVM) meldet für die ersten neun Monate des Jahres ein Plus von 280 Prozent bei seinen Gebrauchtwagen-Verkäufen in die EU, wie das Portal „CarNewsChina“ berichtet.

In absoluten Zahlen klingt das weniger spektakulär: Rund 7.900 Gebrauchte hat der Händler nach eigenen Angaben bis Ende September in die EU vermittelt. Zum Vergleich: Allein BYD bringt in Europa ein Vielfaches davon pro Monat neu auf die Straße. Interessant ist die Entwicklung trotzdem, denn die Richtung ist eindeutig: Das Neuwagengeschäft des Händlers brach im gleichen Zeitraum um 44 Prozent ein.

So funktioniert das Schlupfloch

Die Ausgleichszölle von bis zu 45,3 Prozent, die die EU seit Herbst 2024 auf neue E-Autos aus China erhebt, gelten eben nur für Neuwagen. Gebrauchte fallen nicht darunter, laut CEVM wird für sie nur der übliche Importzoll von zehn Prozent fällig. Das Unternehmen kauft in China junge Gebrauchte mit wenigen tausend Kilometern auf dem Tacho ein, teils 40 Prozent unter dem ursprünglichen Listenpreis, und vermittelt sie an europäische Käufer. Mehr als 2.600 Fahrzeuge listet die Plattform derzeit, von Xiaomi über BYD und Denza bis Lynk & Co und Avatr. In Prag hat CEVM zudem ein Auslieferungszentrum eröffnet, damit Kunden nicht drei Monate auf das Schiff aus China warten müssen.

Wo der Haken liegt

Bevor jetzt jemand den Traumwagen in Shanghai bestellt: Die Zahlen stammen vom Händler selbst, der damit kräftig die Werbetrommel rührt, unabhängig überprüfen lassen sie sich nicht. Und die Autos sind China-Versionen. Software und Sprachassistent sprechen oft kein Deutsch, Karten und Online-Dienste sind auf China zugeschnitten, geladen wird ab Werk über den chinesischen GB/T-Anschluss, der hierzulande einen Adapter braucht. Dazu kommen Einzelabnahme und Zulassung, und bei Garantie und Ersatzteilen ist man auf den Importeur angewiesen statt auf ein Händlernetz.

Was heißt das für uns?

Für Deutschland und Österreich gilt das Schlupfloch gleichermaßen, beide Länder wenden das EU-Zollrecht an. Richtig Fahrt aufnehmen könnte der Kanal, wenn ab Dezember auch noch das geplante Kontingent für Hybride greift: CEVM erwartet nach eigenen Angaben, dass dann noch mehr Käufer auf Gebrauchte ausweichen. In der Schweiz stellt sich die Frage übrigens nicht, dort gelten die EU-Sonderzölle ohnehin nicht. Bleibt die Erkenntnis: Jede Zollmauer hat ihre Lücken. Die Chinesen haben diese hier schneller gefunden, als Brüssel sie schließen kann.

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