Maextro V800: Die Bremsen-Affäre ruft jetzt Peking auf den Plan
Erst ein Testvideo, dann ein Börsenbeben: Jetzt erreicht die Bremsen-Causa um Huaweis Luxus-Van die höchste Ebene. Für HIMA steht einiges auf dem Spiel.
Exakt eine Woche nach dem Bremsen-Eklat um den Luxus-Van Maextro V800 schaltet sich der chinesische Staat ein: Das Industrieministerium MIIT, die zentrale Cyberspace-Behörde und die Marktaufsicht SAMR haben eine gemeinsame Untersuchungsgruppe gebildet. Sie soll die Berichte über gebrochene Bremspedal-Halterungen prüfen, wie das Ministerium am Donnerstagabend über seinen offiziellen Kanal mitteilte.
Auslöser war ein Video des Autoportals „Dongchedi“ vom 8. Oktober: Bei drei Exemplaren des V800, den Huawei gemeinsam mit JAC entwickelt, brach bei wiederholten Vollbremsungen aus Tempo 100 jeweils dieselbe Pedalhalterung. Wir haben ausführlich berichtet. Die JAC-Aktie verlor noch am selben Tag die in China maximal erlaubten zehn Prozent und gab auch danach weiter nach.
Nachbessern ja, Schuld eingestehen nein
Maextro wehrte sich umgehend gegen den Test: Im Kundenbetrieb sei seit Auslieferungsstart kein einziger derartiger Schaden aufgetreten, die Vollbremsungen seien unter „nicht standardgemäßen Extrembedingungen“ gefahren worden, und das Bremssystem sei über die nationalen Normen hinaus abgesichert. Bemerkenswert ist, was die Marke im selben Atemzug ankündigte: Die Halterung wird überarbeitet, Bestandskunden erhalten kostenlos ein verstärktes Bauteil. Wer nachbessert, obwohl der Test angeblich unfair war, sendet eine zwiespältige Botschaft.
Drei Behörden, eine knappe Mitteilung
Die Untersuchungsgruppe selbst hält sich bedeckt: Man messe dem Fall große Bedeutung bei, prüfe die gemeldeten Probleme und werde „nach Recht und Gesetz“ entscheiden, Ergebnisse sollen zeitnah veröffentlicht werden. Zur Testmethodik von „Dongchedi“ äußert sich die Mitteilung mit keinem Wort. Aufhorchen lässt die Besetzung des Gremiums: Dass neben Industrieministerium und Marktaufsicht auch die Internet-Aufsicht mitprüft, dürfte kein Zufall sein. Offenbar geht es nicht nur um ein Bauteil, sondern auch um die Frage, welche Verantwortung virale Auto-Tests und ihre Plattformen tragen. Wie vergiftet das Klima inzwischen ist, zeigte zuletzt die Klage von Aito-Hersteller Seres gegen ein gefälschtes KI-Video.
Warum uns das etwas angeht
Der V800 ist für Europa nicht angekündigt; mit Preisen von umgerechnet rund 102.000 bis 135.000 Euro (766.000 bis 1.016.000 Yuan) zielt er auf Chinas Business-Elite. Für Huawei steht trotzdem viel auf dem Spiel: Maextro ist die Spitze der Markenfamilie HIMA, und deren Schwestermarke Aito hat gerade erst ihren Europastart offiziell gemacht. Eine staatliche Untersuchung am Prestigemodell ist das Letzte, was der Konzern für den Sprung nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz brauchen kann. Ob am Ende ein Konstruktionsfehler steht, ein Materialproblem oder ein überzogenes Testprogramm, ist offen. Klar ist: Das Ergebnis wird Maßstäbe setzen, in China und weit darüber hinaus.
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Verwendete Quellen
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