Steht NIO in Europa vor dem Aus? Jetzt spricht der Gründer

Kaum Neuzulassungen, Rückzugsgerüchte, verschobene Modellstarts: Jetzt stellt Gründer William Li klar, wie es mit NIO in Europa weitergeht.

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NIO ET5 Touring in Hellblau mit Dachbox fährt auf einer Landstraße durch den Wald
Der ET5 Touring gehört zu NIOs Modellpalette in Europa | Bild: NIO

Um NIOs Europa-Geschäft halten sich hartnäckig Rückzugsgerüchte. Jetzt hat Firmengründer William Li sie höchstpersönlich beiseite gewischt: Bei seiner ersten Europa-Reise seit November 2025 traf er Kunden, Partner und Mitarbeiter, sprach bei der Welthandelsorganisation in Genf und bekräftigte, dass die Marke bleibt. Nur eben anders als bisher: Der Konzern baut sein Geschäft auf dem Kontinent gerade kräftig um.

Nur noch 19 Neuzulassungen in Deutschland

Wie nötig das ist, zeigen die deutschen Zulassungszahlen. Von Januar bis August 2026 kamen gerade einmal 19 neue NIO auf die Straße, im Vorjahreszeitraum waren es noch 191. Ein Minus von rund 90 Prozent, und das auf ohnehin homöopathischem Niveau. Das berichtet „Elektroauto-News“ unter Berufung auf ein internes Briefing des Herstellers.

Auch das Filialnetz schrumpft: Von den vier deutschen Nio Houses in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg hat der Standort am Hamburger Jungfernstieg im Juli bereits dichtgemacht.

Händler statt eigener Nobel-Läden

Der Umbau dahinter hat System. Bereits Anfang des Jahres hat NIO seine europäischen Länderorganisationen zu einer zentralen Funktionsstruktur zusammengezogen. Deutschland, die Niederlande und Schweden sollen künftig über Vertriebspartner bedient werden, nur in Norwegen bleibt es beim Direktvertrieb. Service, Garantie und Ersatzteilversorgung sollen laut NIO für Bestandskunden weiterlaufen.

Li verkauft das als Strategie statt als Rückzug: „Deshalb gehen wir unsere nächsten Schritte in Europa bewusst, mit der notwendigen Disziplin und in einem Tempo, das nachhaltiges Wachstum ermöglicht, statt Expansion um ihrer selbst willen zu betreiben.“

Onvo kommt erst 2028, Firefly-Start bleibt offen

Die für den Volumenmarkt gedachte Schwestermarke Onvo, ursprünglich schon für 2026 in Europa angepeilt, soll nun erst zwischen 2028 und 2029 starten. Ein Deutschland-Start des Kleinstromers Firefly findet in den Plänen weiterhin keine Erwähnung.

Das Kuriose daran: An der Substanz liegt es nicht. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte NIO weltweit rund 191.000 Autos aus, ein Plus von 67,4 Prozent. Das Wachstum findet allerdings fast komplett in China statt. In Europa bremst unter anderem der Zoll: Auf NIOs China-Importe erhebt die EU einen kombinierten Einfuhrzoll von 30,7 Prozent, zusammengesetzt aus dem regulären Satz von zehn Prozent und einem Ausgleichszoll von 20,7 Prozent.

Was heißt das nun für dich? Die kurze Antwort: NIO bleibt, aber deutlich kleiner. Wer bereits einen ET5 oder EL6 fährt, muss sich um Service und Garantie vorerst keine Sorgen machen. Wer dagegen auf günstige Onvo-Modelle wartet, braucht einen langen Atem. Und während NIO auf die Bremse tritt, drückt die Konkurrenz aus China in Deutschland gerade aufs Gas.

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