China-Krise bei BMW: Jetzt trifft es die Belegschaft in Shenyang

In BMWs wichtigstem Einzelmarkt läuft es so schlecht wie lange nicht. Ein Bericht aus China zeigt, welche Folgen das jetzt für das Werk Shenyang hat.

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Luftaufnahme des BMW-Brilliance-Werksgeländes in Shenyang, China
Das Werksgelände von BMW Brilliance in Shenyang aus der Luft: Hier baut BMW für den chinesischen Markt. | Bild: BMW Group

In BMWs wichtigstem Einzelmarkt ist Schluss mit Durchhalteparolen: Das Gemeinschaftsunternehmen BMW Brilliance baut offenbar rund 1.800 Stellen ab, etwa zehn Prozent der Belegschaft. Das berichtet das chinesische Portal „AI4Robo“ unter Berufung auf mehrere Mitarbeiter. Die Kündigungen laufen demnach seit dem 2. November, betroffen ist vor allem das Produktionspersonal am Stammsitz in Shenyang. Eine offizielle Bestätigung von BMW steht bislang aus.

Dem Bericht zufolge zieht sich der Abbau durch fast alle Bereiche: Neben Bandarbeitern trifft es auch Büro- und Führungskräfte sowie Leiharbeiter, auslaufende Verträge werden vielfach nicht mehr verlängert. Als Abfindung soll einheitlich die Formel „N+5“ gelten, also pro Beschäftigungsjahr ein Brutto-Monatsgehalt plus fünf Grundgehälter. Vor dem Stellenabbau zählte BMW Brilliance laut Gewerkschaftsliste mehr als 19.000 Beschäftigte.

Warum BMW in China der Boden wegrutscht

Der Zeitpunkt kommt nicht von ungefähr. In den ersten neun Monaten 2026 lieferten BMW und Mini in China nur noch 376.128 Fahrzeuge aus, ein Minus von 21,8 Prozent. Im dritten Quartal allein ging es sogar um 24,8 Prozent bergab. Während Europa (plus 4,5 Prozent) und die USA (plus 3,4 Prozent) zulegen, steht China nur noch für gut ein Fünftel der weltweiten Auslieferungen. Zeitweise war es ein Drittel.

Der Grund ist altbekannt: BYD, NIO und Co. graben den deutschen Premiumherstellern mit moderneren, günstigeren Stromern das Wasser ab. Wie weit das inzwischen geht, hat gerade erst das dritte Quartal gezeigt: NIO ließ BMW, Mercedes und Audi bei den Premium-Zulassungen in China erstmals hinter sich.

Teil des großen Sparprogramms?

Offen ist, ob die Kürzungen zum weltweiten Sparkurs gehören, den BMW Ende Juli angekündigt hat. Rund 8.000 Stellen sollen demnach bis Ende 2027 wegfallen, vor allem Bürojobs in Deutschland, und zwar über freiwillige Abfindungen statt betriebsbedingter Kündigungen. In China läuft es dem Bericht zufolge anders: Dort wurden die Streichungen nicht mit Arbeitnehmervertretern ausgehandelt, sondern kurzerhand vollzogen.

Was heißt das für uns?

Aufgeben sieht trotzdem anders aus. Erst Mitte Oktober hat BMW in Shenyang die Serienproduktion seiner Batterien der sechsten Generation gestartet, eine Investition von umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro (zehn Milliarden Yuan). Noch im November sollen dort die Auslieferungen des neuen iX3 in der Langversion für China beginnen. Der Konzern wettet also voll auf die Neue Klasse, in China genauso wie bei uns.

Für Deutschland und Österreich ist die Meldung trotzdem ein Warnsignal: Der Preiskampf, den die chinesischen Hersteller entfesselt haben, kostet inzwischen Jobs bei einem deutschen Vorzeigekonzern. Und er bleibt nicht auf China beschränkt, wie die tausenden Stellen zeigen, die vor allem in München zur Disposition stehen. Wie radikal die deutschen Hersteller ihr China-Geschäft gerade umbauen, zeigt übrigens auch Audi mit der frisch besiegelten Aufspaltung seines China-Geschäfts. Die kurze Antwort auf die Frage, ob die Lage ernst ist: ja.

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