Changan baut um: Avatr und Deepal rücken zusammen

Changan ordnet seine E-Marken Avatr und Deepal neu. Warum der Konzern gerade jetzt umbaut und was das für Deutschland und Österreich bedeutet.

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Changan-Konzernchef Zhu Huarong steht auf einer Bühne vor einer Leinwand mit Elektroautos der Marken Avatr, Changan und Deepal
Changan-Chef Zhu Huarong beim Europa-Launch der Konzernmarken im März 2025 in Mainz | Bild: Changan Automobile

Changan gehört zu den größten Autobauern Chinas und ist seit 2025 auch auf dem deutschen Markt unterwegs. Jetzt baut der Konzern seine Elektro-Töchter um: Avatr und Deepal, bislang getrennt geführt, arbeiten künftig unter einem gemeinsamen Dach zusammen. Dafür hat Changan eine neue Einheit mit dem sperrigen Namen „AD Collaborative Development Department“ geschaffen, wobei das AD schlicht für die Anfangsbuchstaben der beiden Marken steht.

Wie die Wirtschaftszeitung „21st Century Business Herald“ berichtet, war der Umbau bereits im Frühjahr angekündigt worden, nun wird er umgesetzt. Die neue Abteilung ist direkt unter dem Konzern angesiedelt und bündelt fünf Bereiche: Planung und Kooperation, Markt und Produkte, Personal, Finanzen sowie die allgemeine Verwaltung.

Zusammengelegt wird, was der Kunde nicht sieht

Verschmolzen werden vor allem die Strukturen hinter den Kulissen: Entwicklung, Lieferkette, Produktion und Verwaltung. Nach außen bleiben beide Marken eigenständig, mit eigenen Auftritten und eigenen Verkaufskanälen. Konzernchef Zhu Huarong spricht von zwei Konstanten: Strategische Ausrichtung und Markenführung bleiben unangetastet. Laut dem Nachrichtenportal „The Paper“ sollen die Kosten durch die Zusammenarbeit um 20 bis 30 Prozent sinken.

Eine Marke wächst, die andere bricht ein

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum Changan gerade jetzt handelt. Deepal lieferte im ersten Halbjahr 2026 weltweit rund 164.200 Fahrzeuge aus, ein Plus von 14,6 Prozent; im Ausland legten die Verkäufe sogar um 141 Prozent auf 35.800 Stück zu. Avatr dagegen kam nur noch auf 27.619 Auslieferungen, ein Einbruch um mehr als die Hälfte. Ausgerechnet die Nobelmarke, deren Modelle in China zwischen 200.000 und 700.000 Yuan kosten (umgerechnet rund 24.000 bis 84.000 Euro), schwächelt also gewaltig. Und das mitten in den Vorbereitungen für ihren Börsengang in Hongkong, für den Avatr im Juni die Unterlagen aktualisiert hat. Deepal deckt derweil mit Preisen von 100.000 bis 300.000 Yuan (rund 12.000 bis 36.000 Euro) das Volumensegment ab.

Das gemeinsame Ziel ist ambitioniert: Bis 2030 sollen die beiden Marken zusammen auf 1,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr kommen, mehr als 40 Prozent davon außerhalb Chinas. Zur Einordnung: Im ersten Halbjahr 2026 waren es zusammen keine 200.000.

Was heißt das für Deutschland und Österreich?

Für den DACH-Raum ist der Umbau mehr als eine Fußnote, denn er betrifft genau die Marken, die hier antreten. Deepal ist seit 2025 in Deutschland am Start, verkauft über die Changan Automobile Deutschland GmbH mit Sitz in München; mit dem S07 und dem S05 stehen zwei Elektro-SUV bei den Händlern. Österreich soll als nächster deutschsprachiger Markt folgen, der Schritt ist seit längerem angekündigt. Und Avatr? Die Nobelmarke wurde für 2027 in Europa angekündigt. Nimmt Changan sein Auslandsziel ernst, dürfte Europa dabei eine Hauptrolle spielen: Der Konzern prüft bereits Produktionsstandorte auf dem Kontinent, wie derzeit so einige chinesische Hersteller.

Wer hierzulande einen Deepal fährt oder kaufen will, merkt vom Umbau unmittelbar nichts: Der Vertrieb bleibt nach Konzernangaben eigenständig und läuft weiter wie bisher. Mittelfristig könnte der Umbau den Marken hierzulande sogar helfen: Wer seine Entwicklungs- und Einkaufskosten um ein Viertel drückt, hat im europäischen Preiskampf mehr Luft. Changan ist damit übrigens kein Einzelfall, in China dampfen derzeit mehrere Konzerne ihre zuvor munter gewucherte Markenvielfalt wieder ein. Der Preiskrieg im Heimatmarkt frisst die Margen, und Anbauten, die kein Geld verdienen, kann sich gerade niemand leisten. Die Chinesen, die nach Europa drängen, werden also gerade schlanker und schlagkräftiger. Beruhigend ist das für die etablierte Konkurrenz eher nicht.

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