Chinas E-Auto-Markt: Rekord und Krise im selben Monat

Bestwert ab Werk, Flaute im Laden: Chinas Septemberzahlen erzählen zwei Geschichten gleichzeitig. Des Rätsels Lösung rollt gerade in unsere Richtung.

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Blauer BYD Dolphin fährt auf einer Straße
Modelle wie der BYD Dolphin laufen in China weiter in großen Stückzahlen vom Band, immer öfter für Kunden im Ausland. | Bild: BYD

Der chinesische Branchenverband CPCA hat seine Schätzung für den September vorgelegt, und die hat es in sich: Rund 1,67 Millionen New Energy Vehicles (E-Autos und Plug-in-Hybride) haben Chinas Hersteller im vergangenen Monat ausgeliefert, zwölf Prozent mehr als vor einem Jahr und elf Prozent mehr als im August. Es wäre der beste Monat des Jahres. Moment, war da was? Derselbe Verband hatte gerade erst gemeldet, dass der September im Einzelhandel ein Fünftel unter dem Vorjahr liegt. Beides stimmt. Und genau darin steckt die eigentliche Nachricht.

Zwei Zahlen, zwei Welten

Die Auflösung ist simpel: Der Großhandel zählt, was die Werkstore verlässt, inklusive Export und Händlerlager. Der Einzelhandel zählt, was chinesische Endkunden tatsächlich kaufen. Zwischen dem 1. und dem 27. September waren das nur 827.000 New Energy Vehicles, minus 20 Prozent. Die Lücke zwischen beiden Werten füllen vor allem die Ausfuhren, und die boomen: Laut CPCA blieben die Ölpreise im Ausland länger hoch als erwartet, was der Nachfrage nach Stromern aus China zusätzlichen Schub gab. Zu Hause drückten dagegen die hohe Vergleichsbasis aus dem Vorjahr, als auslaufende Prämien die Kunden noch in die Läden trieben, sowie das Mittherbstfest, das Ende September Verkaufstage kostete.

Die Zahlen im Überblick:

  • Großhandel September: rund 1,67 Millionen NEV, plus 12 Prozent (CPCA-Schätzung)
  • Einzelhandel 1. bis 27. September: 827.000 NEV, minus 20 Prozent
  • Großhandel seit Jahresbeginn: 11,42 Millionen NEV, plus 10 Prozent

Der Überschuss rollt in unsere Richtung

Für den DACH-Raum ist das mehr als eine Statistik-Spitzfindigkeit. Solange der Heimmarkt lahmt, bleibt der Export das Ventil, über das Chinas Hersteller ihre Werke auslasten. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt BYD: Fast 180.000 Autos schickte der Konzern allein im September ins Ausland, zweieinhalbmal so viele wie vor einem Jahr. Europa gehört zu den wichtigsten Zielen, und in Deutschland wachsen die China-Marken bereits deutlich schneller als der boomende Gesamtmarkt.

Was heißt das für uns? Der Druck auf die Preise dürfte eher zunehmen, denn die Hersteller brauchen die Stückzahlen. Dass Brüssel nach den E-Autos nun auch die Hybride ins Visier nimmt, bekommt vor diesem Hintergrund eine zusätzliche Logik: Die EU sieht die Welle kommen. Aufhalten wird sie sie kaum.

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Update, 12.10.2026: Inzwischen liegen die offiziellen September-Zahlen vor. Laut dem Branchenverband CAAM wurden inklusive Exporten 1,823 Millionen NEVs abgesetzt, ein Plus von 13,6 Prozent und der höchste Monatswert des Jahres; der Inlandsabsatz sank dabei um 9,4 Prozent. Der Einzelhandel schrumpfte laut CPCA den neunten Monat in Folge, um 16,7 Prozent auf 1,084 Millionen Fahrzeuge, während der NEV-Anteil am Einzelhandel mit 67 Prozent einen neuen Rekord erreichte.

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