Chinas E-Auto-Markt: Dieser Rekord passt nicht zur Flaute

Chinas Oktober-Zahlen passen auf den ersten Blick nicht zusammen. Die Auflösung des Rätsels hat viel mit dem Export zu tun, und damit auch mit uns.

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Drei Elektroautos von Zeekr aus der Vogelperspektive auf einem gepflasterten Platz
Chinas Hersteller schieben immer mehr E-Autos Richtung Ausland, hier Modelle von Zeekr. | Bild: Zeekr

Chinas Branchenverband CPCA hat seine vorläufigen Oktober-Zahlen vorgelegt, und die erzählen zwei Geschichten gleichzeitig. Im Einzelhandel gingen rund 1,15 Millionen elektrifizierte Autos an Kunden, ein Minus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ab Werk lieferten die Hersteller dagegen so viele Fahrzeuge aus wie noch nie in einem Monat: etwa 1,81 Millionen, ein Plus von 12 Prozent. Daheim Flaute, am Werkstor Rekord? Genau diese Lücke ist die eigentliche Nachricht.

Die wichtigsten Oktober-Werte im Überblick:

  • NEV-Einzelhandel: rund 1,15 Millionen Fahrzeuge, minus 10 Prozent zum Vorjahr, plus 6 Prozent zum September
  • NEV-Großhandel: rund 1,81 Millionen Fahrzeuge, plus 12 Prozent, neuer Monatsrekord
  • NEV-Anteil im Einzelhandel: 67,8 Prozent, so hoch wie nie
  • Gesamtmarkt (alle Antriebe): 1,69 Millionen verkaufte Pkw, minus 25 Prozent
  • Seit Jahresbeginn: 8,9 Millionen NEV im Einzelhandel (minus 12 Prozent), 13,3 Millionen im Großhandel (plus 10 Prozent)

Woher kommt die Lücke?

Der Verband liefert die Erklärung gleich mit: Die Hersteller produzieren am heimischen Bedarf vorbei, weil sie auf Vorrat exportieren. Laut CPCA hängt der Großhandels-Rekord mit der erwarteten Anpassung der Exportsteuer-Rückerstattung und mit möglichen neuen Handelsbeschränkungen im kommenden Jahr zusammen. Die Konzerne ziehen Auslieferungen vor und schieben so viele Autos wie möglich Richtung Ausland; chinesische Medien wie „ifeng“ sprechen vom Wettlauf um den Export. Dass der heimische Gesamtmarkt um ein Viertel eingebrochen ist, liegt dagegen vor allem an den Verbrennern: Deren Produktion lag in den ersten vier Oktoberwochen um 52 Prozent unter dem Vorjahr.

Bei den Marken bleibt die Hackordnung intakt: BYD lieferte im Oktober 483.125 Fahrzeuge aus, dahinter folgen Geely mit 213.165 und Chery mit 134.471. Leapmotor knackte als stärkste der jungen Marken die 100.000er-Marke, Xpeng schaffte mit 50.237 Autos erstmals den Sprung über die 50.000. Für Geely, Chery und Xpeng war es jeweils der stärkste Oktober ihrer Geschichte.

Was heißt das für uns?

Die Zahlen bestätigen den Trend, den wir schon bei der Oktober-Flaute in China beschrieben haben, und sie verschärfen ihn: Wenn der Heimatmarkt lahmt und 2027 neue Handelshürden drohen, wird Europa als Ventil noch wichtiger. Sichtbar ist das längst: In Deutschland haben Chinas Marken im Oktober kräftig zugelegt. Für Käufer in Deutschland und Österreich dürfte der Exportdruck eher gute Nachrichten bedeuten: mehr Auswahl, aggressivere Preise, schnellere Verfügbarkeit. Für die europäischen Hersteller gilt das Gegenteil. Noch ein Hinweis zur Einordnung: Es handelt sich um vorläufige Zahlen, die endgültigen Oktober-Daten des Verbands folgen in den kommenden Tagen.

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