Huawei und CATL: Dieser Pakt nimmt dem Fahrer das Nachladen ab

Huaweis Autosparte Yinwang und Batterieriese CATL spannen beim Akkutausch zusammen. Ihr Plan zeigt, wie das Nachladen von morgen aussehen soll.

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CATL Choco-Batteriewechselstation zwischen Bäumen vor einer Hochhaus-Skyline
Eine Choco-Wechselstation von CATL: Hier sollen künftig auch Autos mit Huawei-Technik frische Akkus bekommen. | Bild: CATL

Zwei Schwergewichte der chinesischen Autoindustrie legen ihre Stärken zusammen: Huaweis Autosparte Yinwang hat mit dem Batterie-Weltmarktführer CATL und dessen Wechsel-Tochter CAES ein strategisches Rahmenabkommen geschlossen, wie CATL am Montag mitteilte. Das Ziel: Autos mit Huaweis Qiankun-Technik an Bord sollen künftig an CATLs Choco-Wechselstationen ihre Batterie tauschen können, statt am Kabel zu hängen.

Qiankun ist Huaweis Paket aus Fahrassistenz und Fahrzeug-Software. Es steckt in den Modellen der Huawei-Allianz wie Aito und Luxeed sowie in Fahrzeugen von Partnern wie Avatr. Pikantes Detail am Rande: An Yinwang, Anfang 2024 aus Huaweis Auto-Geschäft ausgegründet, hält Huawei 80 Prozent, die Aito-Mutter Seres und Avatr sind mit je 10 Prozent beteiligt.

Das Auto tankt künftig ohne dich

Spannend wird die Sache durch das, was die drei Partner aus der Kombination machen wollen. Fahrzeug, Wechselstation und Cloud sollen zu einem System verschmelzen: Das Auto erkennt anhand von Batteriestatus und Fahrgewohnheiten selbst, wann ihm der Strom ausgeht, sucht sich eine Station, steuert sie an und fährt ohne Zutun des Fahrers ein. Der eigentliche Batterietausch läuft vollautomatisch ab und soll gerade einmal 99 Sekunden dauern. CATL verspricht ein nahtloses Nachlade-Erlebnis für das Zeitalter des autonomen Fahrens.

Wie ernst es beiden Seiten ist, zeigt das Personal bei der Unterzeichnung: CATL-Gründer und Chef Robin Zeng war ebenso vor Ort wie Huawei-Vize und Yinwang-CEO Jin Yuzhi. Der Haken: Welche Modelle den Anfang machen, wann es losgeht und in welchen Regionen, sagen die Partner noch nicht.

Choco wächst im Rekordtempo

Dass Huawei ausgerechnet jetzt andockt, ist kein Zufall. CATLs Tauschnetz mit dem süßen Namen Choco wächst rasant: Ende 2025 standen 1.020 Stationen, Anfang Juli waren es gut 2.000, Ende September bereits 2.520 in rund 200 chinesischen Städten. Der Konzern baut derzeit mehr als 200 Stationen pro Monat auf, langfristig sollen es 30.000 werden. Bis Ende 2027 kommen nach den bisherigen Plänen zudem 1.000 Stationen entlang der Autobahnen hinzu. Zum Vergleich: Wechselpionier NIO betreibt aktuell 3.790 Stationen.

An Partnern mangelt es nicht: GAC und BAIC sind beim Choco-Netz schon an Bord, selbst NIO kooperiert inzwischen mit dem Batterieriesen. Und Berichten zufolge verhandelt auch die neue Seres-Marke Aiva über eine Wechsel-Lösung von CATL für ihr erstes Modell ME7.

Kommt der 99-Sekunden-Tausch auch zu uns?

Für Deutschland und Österreich ist das alles vorerst Zukunftsmusik, aber keine allzu ferne: Huawei-Technik rollt bereits auf Europa zu, denn Aito hat den Sprung nach Europa offiziell gemacht. CATL wiederum plant mit dem britischen Energieversorger Octopus Energy Wechselstationen für Elektro-Lkw in Großbritannien und Europa. Für Pkw hat der Konzern bei uns dagegen noch nichts angekündigt. Wer den Batterietausch hierzulande schon heute erleben will, muss zu NIO: Deren Wechselstationen stehen unter anderem in Deutschland. Ob Huawei-Stromer für Europa eines Tages Wechselakkus bekommen, ist damit die spannendste offene Frage dieses Pakts. Die kurze Antwort für den Moment: Der 99-Sekunden-Service bleibt vorerst ein China-Vergnügen.

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Update, 20.10.2026: Laut der chinesischen Finanznachrichtenagentur „Cailian“ soll das erste Serienmodell aus dem Batterietausch-Pakt 2027 erscheinen, und zwar unter der Marke Epicland, die Dongfeng gemeinsam mit Huawei betreibt. Welches Modell den Anfang macht, ist noch offen.

Update, 21.10.2026: Erste Details sickern durch: Laut dem chinesischen Wirtschaftsmedium „LatePost“ planen die Partner für 2027 zunächst fünf tauschfähige Modelle. Den Anfang soll nach einem Bericht des Börsenportals „Cailian“ ein Fahrzeug von Epicland machen, der gemeinsam von Dongfeng und Huawei entwickelten Marke. Yinwang bestätigte die Eckpunkte des Abkommens, wollte Modellzahl und Zeitplan aber nicht kommentieren.

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