Jetta M6: VWs Günstig-Stromer wird in China sofort zum Hit

VWs China-Marke Jetta bringt ihr erstes E-Auto, und der Start gerät zum Blitzerfolg. Was der M6 kostet, was er kann und warum er nicht zu uns kommt.

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Violette Elektro-Limousine Jetta M6 schräg von vorne oben in einem hellen Studio
Die Elektro-Limousine M6 ist das erste E-Auto der VW-Budgetmarke Jetta | Bild: FAW-Volkswagen

Volkswagen landet in China einen Volltreffer, ausgerechnet dort, wo der Konzern bislang kaum stattfand: ganz unten beim Preis. Am Donnerstag brachte die VW-Budgetmarke Jetta ihr erstes Elektroauto in den Handel, die Mittelklasse-Limousine M6. Keine 19 Stunden später meldete das Joint Venture FAW-Volkswagen mehr als 10.000 verbindliche Bestellungen.

Das Wort „verbindlich“ ist dabei entscheidend. Bei den in China üblichen „Locked Orders“ hinterlegen Käufer eine Anzahlung von rund 400 bis 670 Euro (3.000 bis 5.000 Yuan), die beim Rückzieher in der Regel verfällt. Wer so bestellt, meint es ernst. Die Zahl stammt zwar vom Hersteller selbst und lässt sich nicht unabhängig prüfen, doch chinesische Medien werten den Auftakt unisono als geglückt.

Eine ausgewachsene Limousine zum Kleinwagenpreis

Jetta, 2019 als Günstig-Marke von FAW-Volkswagen gegründet und nach der legendären Stufenheck-Limousine benannt, verkaufte bislang ausschließlich Verbrenner. Der im Werk Chengdu gebaute M6 ist der erste Stromer der Marke, und er tritt frech an: 4,81 Meter Länge, 2,82 Meter Radstand und Preise, für die es bei uns nicht einmal einen Kleinstwagen gibt.

  • M6 465 Pro: rund 10.700 Euro (79.800 Yuan), 113 kW (154 PS), 42,9-kWh-Akku, 465 km Reichweite
  • M6 555 Max: rund 12.000 Euro (89.800 Yuan), 145 kW (197 PS), 51,9-kWh-Akku, 555 km Reichweite
  • M6 555 Ultra: rund 13.350 Euro (99.800 Yuan), Technik wie 555 Max, dazu das volle Assistenzpaket

Die Reichweiten folgen der chinesischen CLTC-Norm, die deutlich optimistischer rechnet als unser WLTP. Die Eisenphosphat-Zellen liefert der chinesische Hersteller CALB, montiert werden die Akkus direkt im FAW-VW-Werk in Chengdu. Von 30 auf 80 Prozent lädt der Fronttriebler in 25 Minuten, Wärmepumpe und eine 3,5-kW-Steckdosenfunktion sind serienmäßig. Obendrauf legt Jetta zum Marktstart Extras im Wert von umgerechnet knapp 3.500 Euro (26.000 Yuan), vom Garantiepaket bis zum Datenvolumen.

Stadtpilot inklusive Haftungsversprechen

Innen dominiert ein 15,6-Zoll-Bildschirm, die Vordersitze lassen sich zusammen mit der Rückbank zur Liegefläche umklappen. Bemerkenswert ist vor allem die Topversion: Sie fährt mit dem Journey-6M-Chip des chinesischen Spezialisten Horizon Robotics und beherrscht navigationsgestütztes Assistenzfahren auf der Autobahn wie in der Stadt. Erstbesitzern verspricht Jetta sogar, im ersten Jahr für Unfälle geradezustehen, die im Assistenzbetrieb passieren.

Der M6 war zugleich der Auftakt einer elektrischen Doppel-Offensive: Nur einen Tag später lancierte der Konzern den ID. UNYX 09 seiner Schwestermarke aus Anhui, der mit Xpeng-Technik in einer deutlich höheren Preisklasse wildert. VW greift Chinas E-Markt damit von zwei Seiten gleichzeitig an, nachdem die bisherige Elektro-Bilanz des Konzerns in China ernüchternd ausfiel.

Und was haben wir davon?

Kurzfristig: nichts. Jetta ist eine reine China-Marke, einen Europastart hat Volkswagen nicht angekündigt. Ob Berlin, Wien oder Zürich: Den M6 bekommt hier niemand. Bei uns markiert der ID. Polo für 24.995 Euro den Einstieg in die elektrische VW-Welt, eine Klasse kleiner als der M6. Anders gerechnet: Für den Preis eines ID. Polo gibt es in China mehr als zwei M6.

Ein Signal für Deutschland und Österreich ist der Wagen trotzdem. VW beweist gerade, dass sich wettbewerbsfähige E-Autos zu chinesischen Preisen bauen lassen, wenn Entwicklung, Zellen und Chips aus dem lokalen Baukasten kommen. Genau diese Kostenstruktur tragen BYD, Leapmotor und Co. verstärkt nach Europa, Zölle hin oder her. Die eigentliche Frage lautet also nicht, ob der M6 zu uns kommt. Sondern wann VW das, was in Chengdu offenbar funktioniert, auch für Europa hinbekommt.

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