Autonomes Fahren: China lässt VW und Xpeng von der Leine

China erteilt zwei Genehmigungen, die das autonome Fahren Richtung Alltag schieben. Mit dabei: VW, Xpeng und ein Zeitplan, der aufhorchen lässt.

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Silbernes Xpeng Robotaxi auf GX-Basis auf der Produktionslinie im Werk
Xpengs Robotaxi auf GX-Basis bei der Fertigung: In Guangzhou startet jetzt der stadtweite Demonstrationsbetrieb | Bild: XPENG

Zwei Genehmigungen fast zeitgleich, ein gemeinsames Signal: China drückt beim autonomen Fahren aufs Tempo. Volkswagen darf in Hefei hochautomatisiertes Fahren nach Level 3 auf öffentlichen Straßen testen, und Xpeng schickt seine Robotaxis künftig im kompletten Stadtgebiet von Guangzhou in den Demonstrationsbetrieb, nach Level 4, bei dem das System die Fahraufgabe vollständig übernimmt. Beide Nachrichten haben mehr miteinander zu tun, als es auf den ersten Blick scheint.

VW übt in Hefei für 2027

Volkswagen Group China hat die Testlizenz für Level 3 erhalten und sammelt nach eigenen Angaben bereits Daten im realen Verkehr von Hefei. Bei Level 3 übernimmt das Auto unter definierten Bedingungen das Steuer komplett: Der Fahrer darf die Hände vom Lenkrad nehmen und den Blick abwenden, muss aber wieder ran, wenn das System ihn auffordert, typischerweise binnen rund zehn Sekunden.

Entwickelt wird die Technik mit dem lokalen Partner Horizon Robotics im Gemeinschaftsunternehmen Carizon, an dem auch die VW-Softwaretochter Cariad beteiligt ist. Trainiert wird mit dem KI-Weltmodell GAIA 2.0: Es simuliert laut VW täglich rund fünf Millionen Kilometer, gefüttert mit Daten aus 30 Millionen realen Verkehrsszenarien. Das Ziel ist klar gesteckt: 2027 soll Level 3 in China in Serie gehen, chinesische Medien rechnen frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2027 mit der Auslieferung. Bis 2029 soll dann Level 4 folgen, berichten dieselben Medien unter Berufung auf den Konzernfahrplan.

Xpeng testet nicht mehr die Technik, sondern das Geschäft

Noch einen Schritt weiter ist Xpeng. Die Robotaxi-Sparte, die Anfang Oktober unter dem Namen Yoyo an den Start ging, hat die Qualifikation für den Level-4-Demonstrationsbetrieb im gesamten Stadtgebiet von Guangzhou erhalten. Seit Januar durfte Xpeng dort auf öffentlichen Straßen testen, nun geht es laut dem Hersteller nicht mehr um die Validierung der Technik, sondern um den kompletten Service: Bestellannahme, Fahrzeugdisposition, Fahrgastbetrieb und den Umgang mit Sonderfällen. Mitfahren dürfen zunächst nur Nutzer mit Einladungscode, der Kreis soll schrittweise wachsen. Anfang 2027 will Xpeng dann ganz ohne Sicherheitspersonal an Bord auskommen.

Das Fahrzeug dazu hat Xpeng komplett selbst entwickelt:

  • Basis ist die eigene GX-Plattform, das erste Serienexemplar lief im Mai vom Band
  • vier selbst entwickelte Turing-Chips liefern 3.000 TOPS Rechenleistung
  • reine Kameralösung ohne Lidar und ohne hochauflösende Karten
  • als Steuerzentrale dient das KI-Modell VLA 2.0

Spannend ist das Geschäftsmodell: Xpeng will gar keine riesigen eigenen Flotten betreiben, sondern Fahrzeuge, Software und KI-Technik an Partner liefern. Verdient werden soll am Hardware-Verkauf, an Technologiediensten und über Provisionen.

Was heißt das für uns?

Direkt betrifft beides zunächst nur China. Mittelbar aber eben doch Europa: VW entwickelt in Hefei Technik, die nach jüngsten Berichten auch in künftigen Europa-Modellen landen könnte, und sammelt dort Praxiserfahrung in einem Umfang, den hier kein Testgelände bietet. Ob und wann das in China erprobte Level-3-System in Deutschland oder Österreich fahren darf, ist offen, die Zulassung läuft hier nach eigenen Regeln. Und Xpeng? Der Konzern spricht nach eigenen Angaben bereits mit europäischen Mobilitätsplattformen über eine internationale Expansion der Robotaxis. Bis ein Yoyo durch Berlin oder Wien rollt, dürfte es trotzdem dauern: Europas Behörden genehmigen deutlich zögerlicher als die in Guangzhou. Die Richtung aber ist unübersehbar, und sie zeigt von China nach Europa.

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