China-Architektur im ID. Golf? VW erwägt den großen Schwenk

VW erwägt laut einem Bericht, die mit Xpeng entwickelte Elektronik-Architektur nach Europa zu holen. Der Plan hätte Folgen bis hinein in den nächsten Golf.

Teilen
Mehrere Elektroautos der Marke Xpeng nebeneinander im Freien
Xpengs Modellpalette: Die Technik aus der Partnerschaft mit dem China-Hersteller könnte bald in Volkswagens Europa-Modellen stecken | Bild: XPENG

Volkswagen denkt laut einem Bericht des „Manager Magazin“ darüber nach, die gemeinsam mit Xpeng entwickelte Elektronik-Architektur CEA künftig auch in Europa einzusetzen. Betroffen wären demnach rund drei Viertel der nächsten Modellgeneration von VW, Skoda und Cupra: also genau die Autos, die hierzulande die Straßen füllen sollen. VW-Markenchef Thomas Schäfer soll den Plan bereits dem Konzernvorstand vorgestellt haben, die erste Reaktion fiel dem Bericht zufolge positiv aus. Entschieden ist allerdings noch nichts.

Drei Marken, ein Baukasten aus Hefei

Die CEA (China Electronic Architecture) entstand in VWs chinesischem Entwicklungszentrum VCTC in Hefei, gemeinsam mit Xpeng und der Software-Tochter Cariad. Es handelt sich um eine zonale Elektronik-Architektur, die mit deutlich weniger Steuergeräten auskommt und Updates over the air beherrscht. In China steckt sie bereits in Serienautos, und aus derselben Partnerschaft stammt auch der frisch gestartete ID. UNYX 09. Die Rechte an der Architektur liegen laut dem Bericht bei Volkswagen.

Nach Europa übertragen würde die Technik alle künftigen Elektromodelle oberhalb des ID. Polo betreffen, darunter den kommenden ID. Golf, den Nachfolger des elektrischen Tiguan und eine mögliche elektrische Passat-Neuauflage. Die interne Rechnung dahinter hat es in sich: Vier bis fünf Milliarden Euro Ersparnis sollen drin sein. Eine Entwicklerstunde beim Software-Joint-Venture mit Rivian im kalifornischen Palo Alto soll rund viermal so viel kosten wie eine in Hefei.

Was wird aus dem Rivian-Deal?

Genau hier liegt der Hund begraben: Eigentlich sollte das 5,8 Milliarden Dollar schwere Joint Venture mit dem US-Hersteller Rivian die Software-Probleme des Konzerns lösen. Das erste Auto mit Rivian-Technik soll 2027 kommen, ein Einstiegsstromer auf Basis der Studie ID. Every1. Setzt sich Schäfers Vorschlag durch, bliebe die Rivian-Technik wohl vor allem Audi, Porsche und ausgewählten Märkten vorbehalten, während die Volumenmodelle auf die China-Architektur wechseln. Befürworter des Rivian-Kurses warnen laut dem Bericht, ein kleinerer Umfang könnte die Kostenteilung in der Partnerschaft ins Wanken bringen.

Offiziell bestätigt ist nichts davon: Ein VW-Sprecher wollte den Bericht auf Anfrage des Portals „Motor1“ nicht kommentieren. Offene Punkte sind unter anderem die Anpassung der China-Technik an europäische Regulierung und die Frage, wie teuer die Umstellung selbst würde.

Die Ironie der Geschichte

2023 stieg VW mit 700 Millionen Dollar bei Xpeng ein, um sein schwächelndes China-Geschäft zu retten. Bei den Verkaufszahlen in China ist diese Wette bislang nicht aufgegangen, wie wir kürzlich analysiert haben. Ausgerechnet die Technik aus dieser Partnerschaft könnte nun zum digitalen Rückgrat der Europa-Flotte werden. Für Käufer in Deutschland und Österreich wäre das keine schlechte Nachricht: schnellere Software-Entwicklung, häufigere Updates und niedrigere Entwicklungskosten, die Spielraum beim Preis schaffen. Dass der Golf von morgen sein Nervensystem aus Hefei beziehen könnte, hätte vor drei Jahren kaum jemand für möglich gehalten. Die kurze Antwort auf die Frage, wie ernst VW die China-Technik nimmt: sehr.

Das könnte dich auch interessieren:

VWs Wette auf Xpeng: Dieser Plan geht bisher nicht auf
Warum die VW-Xpeng-Partnerschaft in China bislang hinter den Erwartungen bleibt.

Erstellt mit KI-Unterstützung nach unseren Redaktionsrichtlinien.