Audis neuer China-Chef kommt direkt von der Konkurrenz

Audi stellt seine China-Spitze neu auf, mitten im Absatztief. Die Personalie hat eine Pointe, die zeigt, wie sehr sich die Gewichte verschoben haben.

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Porträt von Jeff Zhang, dem künftigen Präsidenten von Audi China, in dunklem Anzug vor grauem Hintergrund
Jeff Zhang übernimmt zum 1. November das Präsidentenamt bei Audi China | Bild: AUDI AG

Audi besetzt die Spitze seines China-Geschäfts neu, und die Wahl hat es in sich: Zum 1. November übernimmt Jeff Zhang den Posten des Präsidenten von Audi China. Zhang war bis zuletzt Vice President von Chery International und CEO der Kernmarke Chery, kommt also ausgerechnet von jenem Konzern, der mit Marken wie Omoda und Jaecoo gerade den europäischen Markt aufrollt. Er folgt auf Johannes Roscheck, der den Posten seit April 2024 innehatte und Anfang 2027 nach Ingolstadt zurückkehrt.

Ein Lebenslauf, der beide Seiten kennt

Zhang bringt laut Audi mehr als 20 Jahre internationale Erfahrung mit. Bei Chery verantwortete er zeitweise das Europageschäft, davor führte er für Stellantis die China-Aktivitäten von Alfa Romeo und DS, weitere Stationen absolvierte er bei Nissan in Japan und Nordamerika. In Ingolstadt ist er kein Unbekannter: Von 2018 bis 2020 arbeitete Zhang bereits für Audi China und baute unter anderem die Vertriebsorganisation von SAIC Audi mit auf. Laut dem chinesischen Wirtschaftsportal „Jiemian“ wäre er der erste Chinese an der Spitze von Audi China; Audi selbst macht zur Nationalität keine Angaben.

Doppelspitze für den größten Markt

Zhang kommt nicht allein. Rolf Michl, bislang Chef der Sportwagentochter Audi Sport, wird zeitgleich Chief Operating Officer von Audi China; beide führen das Geschäft künftig als Doppelspitze. Audi Sport übernimmt übergangsweise Entwicklungsvorstand Rouven Mohr. Konzernchef Gernot Döllner nennt China einen der wichtigsten Märkte für Audi und begründet den Umbau mit einer schlankeren, fokussierteren Führungsstruktur vor Ort.

Warum Audi einen Chery-Mann holt

Der Hintergrund ist unbequem: Audis Absatz in China brach im ersten Halbjahr 2026 laut Reuters um fast ein Fünftel ein. Die chinesischen Premium-Angreifer setzen den Deutschen immer stärker zu, NIO etwa verkaufte im dritten Quartal in China erstmals mehr Autos als BMW, Mercedes und eben Audi. Parallel sortiert der Konzern laut dem Magazin „Caijing“ die Arbeitsteilung seiner beiden Joint Ventures neu: SAIC Audi soll sich künftig allein um die junge Schwestermarke AUDI kümmern, die Modelle mit den vier Ringen wandern demnach komplett zu FAW Audi. Unterschrieben ist dieser Umbau allerdings noch nicht.

Was heißt das für uns?

Für Deutschland und Österreich ist die Personalie mehr als eine Randnotiz. China ist traditionell Audis größter Einzelmarkt; läuft es dort nicht, fehlt das Geld für die Transformation daheim in Ingolstadt und Neckarsulm. Zugleich zeigt der Schritt, wie sehr sich die Gewichte verschoben haben: Früher schickten die Deutschen ihre Manager nach China, um den Markt zu erobern. Heute holt sich Audi einen Mann, der sein Handwerk zuletzt beim chinesischen Angreifer Chery verfeinert hat und dessen alte Kollegen gerade Richtung Europa drängen. Ob die Rechnung aufgeht, sehen wir bald: Ab November ist Zhang im Amt.

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